Das dänische Gesundheitsmodell – Taugt es als Vorbild für Österreich?

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Nicht weniger als die völlige Neuaufstellung des heimischen Gesundheitssystems hat sich die Bundesregierung für die kommenden Monate vorgenommen. Die unsäglichen, zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungen aufgeteilten Mehrfachzuständigkeiten bei Planung und Finanzierung sollen beseitigt, das System damit effizienter und kostengünstiger werden. Ob das gelingt, ist noch ungewiss, besteht doch nicht einmal innerhalb der Parteien Einigkeit darüber, wohin die Reise gehen soll.

Die öffentliche Debatte darüber landet immer wieder unweigerlich beim Beispiel Dänemark, das wie in vielen anderen Bereichen auch beim Gesundheitswesen als Musterland für mutige wie erfolgreiche Strukturreformen gilt.

Doch was ist dran am dänischen Modell? Und ließe es sich auf Österreich übertragen?

Fakt ist: Vor rund zwei Jahrzehnten hat das skandinavische Land in seinem Gesundheitssystem „ordentlich aufgeräumt“, sagt Thomas Czypionka, Gesundheitsökonom am IHS. Am augenscheinlichsten war die Reduktion von ehemals knapp 80 Krankenhäusern auf 17 große, zum Teil neu gebaute und damit hochmoderne „Superspitäler“, während es in Österreich noch rund 106 sogenannte Fondsspitäler sind, was trotz der geringeren Einwohnerzahl Dänemarks (5,9 Millionen) und den topografischen Unterschieden zum alpin geprägten Österreich ein beachtliches Missverhältnis ist.

Hohe Fallzahlen

Laut dem Experten folge man damit aber nur dem allgemein anerkannten Grundsatz, dass die Qualität der Spitalsbehandlungen mit der Höhe der Fallzahl steigt. Insofern können Patienten in größeren Krankenhäusern besser versorgt werden als in kleinen, weil die dortigen Ärzte über mehr Erfahrung verfügen.

Wobei den Dänen daran gelegen ist, nur jene Patienten im Krankenhaus zu behandeln, die tatsächlich eine stationäre Behandlung brauchen. Unter dem Projekttitel „Hospital at home“ werden viele Patienten – von Krebskranken bis hin zu Frauen mit Risiko-Schwangerschaften – daheim versorgt und ihr Zustand telemedizinisch überwacht.

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Völlig anders aufgestellt als in Österreich ist laut Czypionka auch der niedergelassene Bereich. „Mehr als 90 Prozent der Ordinationen sind Gruppenpraxen, während in Österreich das Verhältnis umgekehrt ist“, schildert der Experte. Auch hier werde weit stärker auf digitale Services gesetzt als hierzulande – allen voran Systeme, die an anstehende Routine-Untersuchungen erinnern. „Der Hausarzt fungiert als Türhüter zum Gesundheitssystem. Anders als bei uns ist es nicht möglich, direkt zum Facharzt zu gehen“, sagt Czypionka.

Gleichzeitig dürfen in Dänemark Pflegekräfte viel mehr Aufgaben übernehmen als bei uns. Damit bleibt dem Hausarzt mehr Zeit, um sich um seine Patienten zu kümmern, so der Experte.

Getty Images / simonkr/iStockphotoSchlanke Strukturen

Zudem sind die Strukturen seit der Reform deutlich schlanker als bei uns: Es gibt organisatorisch fünf Regionen, die für die Planung und Finanzierung der medizinischen Grundversorgung sowie die Krankenhäuser zuständig sind. Finanziert wird das System zu 80 Prozent aus Steuermitteln des Bundes, der Rest kommt aus Gemeinde-Mitteln, wobei Letztere für Rehabilitation, häusliche und institutionelle Langzeitpflege sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst zuständig sind.

Der Erfolg würde den Dänen recht geben, ist Czypionka überzeugt. Vor allem bei der Behandlung chronischer Erkrankungen würde das Land deutlich bessere Ergebnisse erzielen als Österreich, das seine Stärken in der Akutversorgung habe.

Trotzdem wäre es eine vermessene Forderung, dass nun Österreich eins zu eins das dänische Modell übernehmen solle. Dafür seien die beiden Länder schlichtweg zu unterschiedlich, betont der Experte: „Dänemark ist kein föderaler Staat und hat nur eine gesetzgebende Ebene. Allein dadurch sind Reformen schon viel …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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