
Mit Buster Keaton hat alles begonnen. Und auch ein bisschen mit dem Pink Panther. Mit dem großen Komödianten – also Keaton – wurde in Ralph Turnheim die Liebe zum Stummfilm erweckt: „Ich hatte eine VHS-Kassette mit ,Sherlock Junior“. Das ist der Film von 1924, in dem Keaton als Filmvorführer in die Leinwand hineinsteigt, eine der faszinierendsten Sequenzen dieser Zeit, und ich bin quasi mit hineingestiegen. Das war so verblüffend, dass man von einem Moment in den nächsten in eine völlig andere Welt geworfen wird.“
Der Pink Panther – die Cartoonversion – wiederum hat den Anstoß gegeben, dass Turnheim seinen doch recht einzigartigen Beruf als Leinwand-Lyriker für sich entdeckt hat. „Ich war als Kind von Paulchen Panther und seinen Knittelversen völlig gefesselt“, erzählt er.
Vermittlungsmission
Im US-Original fehlte die gereimte Textbegleitung nämlich, Turnheim begann, selbst neue Verse zu dichten und trug diese live vor, das Rosa-Tollpatsch-Geschehen lief im Hintergrund: Das war die Geburtsstunde des Kinoerzählers. Zu Silvester ist er – zusammen mit seinem kongenialen Partner Gerhard Gruber am Klavier – mit einem „Pink Panther Poetry“-Abend in den Breitenseer Lichtspielen zu Gast. Er steht auf der Bühne vor der Leinwand, den Film sieht er im Rückspiegel, damit die Verse – mit wienerischer Tönung – auch an den richtigen Stellen aufschlagen.
Solche Ausflüge in die jüngere Bewegtbildgeschichte – beispielsweise auch mit „Star Trek“ – macht Turnheim gern, aber nur ausnahmsweise, als „nette Spielerei“. Sein Fokus liegt auf dem Vertonen des Stummfilms, auch weil er merkt, dass er da etwas in den Zuseherinnen und Zusehern erreichen kann.
Nicht nur Schwarz-Weiß
Viele stehen dem frühen Film mit Vorurteilen gegenüber. Zum Beispiel das heute befremdliche übertriebene Spiel: „Das hat tatsächlich gar nichts damit zu tun, dass es keinen Ton gab. Das ist einfach ein expressionistischer Stil, der damals populär war. Buster Keaton etwa grimassiert überhaupt nicht.“
Oder dass Stummfilme immer so ein verschwommenes Schwarz-Weiß-Bild haben: „Der Eindruck entsteht, weil so viele Kopien, die von Kopien gezogen wurden, im Umlauf sind. Das waren in der Originalversion glasklare, wunderschöne Bilder.“ Und Schwarz-Weiß müssen sie auch nicht gewesen sein: „Es gab Farbfilme schon in der Stummfilmzeit. Die meisten Filme waren koloriert – nicht nachkoloriert! Eine Nachtszene wurde blau eingefärbt oder ein Feuer rot und das wurde aneinandergereiht. Man konnte das alles damals schon, aber ironischerweise ist es mit dem Tonfilm wieder verschwunden. Mit der Tonspur wurde das zu kompliziert, den Schnitt hat man sofort gesehen.“
Die Vermittlung der historischen Filme an ein heutiges Publikum zeigt Wirkung: „Ich höre oft, dass Leute endlich Stummfilm verstehen mit meiner Vertonung. Vorher hatten sie keinen Zugang, obwohl sie interessiert waren, aber es hat nicht funktioniert.“
Geruch des Rummels
Die Rolle des Kinoerzählers hat hierzulande eine betrübliche Geschichte: „Das Kino hat bei uns als Jahrmarktsattraktion begonnen. Da gab es einen Ausrufer, der hat sich zum Erzähler entwickelt.“ Als man ab 1910 das Kino vom Geruch des Rummels befreien wollte und ein „seriöses“ bürgerliches Publikum anlocken wollte, musste der Erzähler weichen. In Japan hingegen, erzählt Turnheim, waren Kinoerzähler – dort Benshi genannt – oft die größeren Stars als die Schauspieler auf …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



