Bitpanda-Chef: „Wir sind nicht im Kryptowinter“

Wirtschaft
Lukas Enzensdorfer-Konrad

Seit dem vergangenen Jahr führt Lukas Enzersdorfer-Konrad bei der Wiener Kryptobörse Bitpanda offiziell die Geschäfte. Dass die Kryptowährungskurse zuletzt deutlich nach unten gegangen sind, beunruhigt ihn nicht, sagt er im Interview mit dem KURIER.

KURIER: Bitcoin und andere Kryptowährungen haben seit Anfang Oktober stark an Wert verloren. Steht jetzt ein Kryptowinter, also ein länger anhaltender Abschwung, bevor?
Enzersdorfer-Konrad: Wenn man sich anschaut, wo Kryptowährungen vor einem Jahr gestanden sind und wo sie heute stehen, dann ist es circa auf demselben Niveau. Wir sind nicht im Kryptowinter, auch nicht in einem Bärenmarkt. Man merkt aber, dass geopolitische Risiken, die den Kapitalmarkt belasten, auch die Kryptomärkte belasten. Hochrisikoassets sind immer stärker von Unsicherheit betroffen. Im Vergleich zum Aktienmarkt fallen die Kurse überproportional. Nach dem sehr starken Jahresbeginn durch die Trump-Administration in den USA hat auch eine gewisse Konsolidierung stattgefunden.

Wie wirkt sich solche Kursschwankungen auf Ihr Geschäft aus? Gehen Neukundenzahlen in solchen Phasen zurück?
Dass die Handelsaktivitäten nach oben gehen, wenn die Kurse steigen oder umgekehrt, war vor Jahren ein viel stärkerer Faktor, nicht nur bei Bitpanda. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Rund 15 Prozent der Bevölkerung investiert in Kryptowährungen oder hat das schon einmal getan. Die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen sind viel stärker in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie sind keine Randerscheinung mehr.

Dass Sie Ihr Geschäft breiter aufgestellt haben und von einem reinen Krypto-Broker zu einer breiten Investmentplattform und zum Infrastrukturanbieter für Banken, hilft Ihnen auch, Schwankungen auszugleichen?
Das hilft definitiv. Wir haben in unserem Umsatzmix planbare und längere Komponenten.

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Wie teilen sich Ihre Umsätze auf?
Vor zwei, drei Jahren sind hundert Prozent unserer Umsätze aus der Handelsaktivität gekommen. Mittlerweile haben wir mehr als ein Drittel aus anderen Aktivitäten, das steigt laufend. Die Verbreiterung unseres Geschäftsmodells funktioniert.

2024 haben Sie Ihren Umsatz verdoppelt. Wie ist es 2025 gelaufen?
Wir können dazu noch keine Kommentare abgeben. Das machen wir erst, wenn die Zahlen feststehen. Es war aber definitiv ein positives Jahr für uns, mit dem wir sehr zufrieden sind.

Bitpanda

Lukas Enzensdorfer-Konrad

Sie haben im vergangenen Jahr bei Bitpanda auch offiziell das Steuer übernommen. Was ändert sich dadurch im Unternehmen?
Sehr wenig. Die Übergabe von Paul Klanschek und Eric Demuth zu mir haben wir schon zwei Jahre sukzessive geplant und durchgeführt. Heuer wurde das Zepter förmlich weitergegeben. Die Gründer involvieren sich weiter strategisch und sind beide im Verwaltungsrat.

Für Kryptowährungen gibt es in der EU durch die MiCar-Regulierung seit Ende 2024 strengere Regeln. Wie hat sich das ausgewirkt?
Das Thema Regulierung ist extrem wichtig, weil es Klarheit und Vertrauen beim Endkunden, aber auch bei anderen Marktteilnehmern wie Banken, Finanzinstituten und institutionellen Anlegern schafft. Es hat der Industrie sehr viel geholfen und uns noch einmal mehr, weil wir Lizenzen in Deutschland und Österreich haben und damit auch die stärksten Regulatoren im Hintergrund.

Wien ist in den vergangenen Jahren zu einem Krypto-Hub geworden. Auch die Kryptobörsen Bybit und Kucoin haben hier ihre Europazentralen aufgeschlagen. Spüren Sie die Konkurrenz?
Grundsätzlich ist es extrem positiv, dass sich Österreich so großes Interesse erfreut. Viele Marktteilnehmer waren davor aber auch schon am europäischen Markt aktiv. Wir haben keine Veränderung am Markt bemerkt.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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