
Langjährige Aktionäre der Vienna Insurance Group (VIG) fühlen sich regelrecht überrollt – aber im positiven Sinne. Alleine in den vergangenen vier Wochen hat sich der Kurs verdoppelt und erstmals seit 18 Jahren die Marke von 50 Euro mit enem Jahresendwert von 67,2 Euro je Aktie weit übertroffen. Seit Jahresbeginn 2025 macht der Kursgewinn damit 121 Prozent aus.
Doch was sind die Gründe dafür? Basis war ein solides Wachstum in allen Segmenten und Sparten im Vorjahr, was zu einem höheren Gewinn und einer gestiegenen Dividende führte. Schon bei der Präsentation der Zahlen im März verkündete das Management eine weitere deutliche Ergebnissteigerung. Die Prognose wurde im Jahresverlauf dann noch zwei Mal nach oben angepasst. Waren es im März noch bis zu einer Milliarde Euro Gewinn, ist seit November von bis zu 1,15 Milliarden Euro die Rede.
Mittelfristprognose
„Und die Profitabilität hat sich nachhaltig verbessert, der ROE (Return on Equity, gibt die Eigenkapitalrendite an, Anm.) liegt über dem Niveau der vergangenen Jahre und soll auch künftig stark bleiben“, sagt Erste Group-Analyst Thomas Unger im KURIER-Gespräch. Weiters wurde Anfang Dezember die Mittelfristprognose bis zum Jahr 2028 veröffentlicht und die „die Erwartungen deutlich übertroffen“.
Die Prämieneinnahmen sollen bis 2028 auf mindestens 20 Milliarden Euro wachsen (plus 23 Prozent zum Ausblick für 2025), das Vorsteuerergebnis soll 2028 mindestens 1,5 Milliarden Euro betragen, um 30 Prozent mehr als für heuer erwartet wird. Mit der neuen Strategie „evolve28“ will der Konzern die Marktführerschaft in Zentral- und Osteuropa ausbauen. Und nach Möglichkeit soll in den kommenden Jahren die Dividende kontinuierlich steigen.
Übernahme
Zudem ist die Übernahme der Nürnberger Versicherung dabei noch nicht berücksichtigt. „Unsere Planung zeichnet ein sehr klares Bild des Wachstumskurses, den wir über die nächsten drei Jahre forcieren werden. Er wird nach Vorliegen der regulatorischen Genehmigungen der Nürnberger-Übernahme noch entsprechend erhöht“, sagte Vorstandsvorsitzender Hartwig Löger. „Wir treiben den Ausbau unserer Marktführerschaft voran, planen, unsere Prämien und Erträge deutlich zu steigern und halten dabei unser Prinzip des lokalen Unternehmertums hoch.“ Die Übernahme der Nürnberger Versicherung ist mit bis zu 1,38 Milliarden Euro der größte Zukauf der Firmengeschichte. Ende November hatte sich die VIG bereits rund 98 Prozent der Aktien gesichert.
In Deutschland ist sie bisher nur mit der kleinen InterRisk und als Rückversicherer präsent. Als führende Versicherungsgruppe in Zentral- und Osteuropa erbringt die VIG mit mehr als 50 Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen in 30 Ländern Versicherungsleistungen für rund 33 Millionen Kunden. Laut Löger dient der Zukauf auch der weiteren Diversifikation.
Mit 3,7 Milliarden Euro Einnahmen im Vorjahr und Kapitalanlagen von 35,1 Milliarden Euro gehört die Nürnberger zu den mittelgroßen deutschen Versicherungen. Im Vorjahr schrieb sie 77 Millionen Euro Verlust. Mit einem Sparprogramm soll es heuer wieder einen Gewinn geben. Die VIG will sie nach erfolgter Übernahme von der Börse nehmen, aber als eigenständige Marke erhalten.
Unger hat infolge der „evolve28“-Strategie das Kursziel auf 75 Euro angehoben und die bereits bestehende Kaufempfehlung bestätigt. Die Analysten der Schweizer Bank UBS hoben ihr Kursziel für die Aktie auf 72 Euro an.
Für Löger ist „die ausgezeichnete Performance der VIG-Aktie eine Bestätigung unseres dezentralen Geschäftsmodells, das sich durch Diversifikation, Unternehmertum und Resilienz auszeichnet. …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



