Skisprung-Legende Schlierenzauer: „Schon krass, was ich da gemacht habe“

Sport
Gregor Schlierenzauer ist auch heuer bei der Tournee wieder als ORF-Experte im Einsatz

Die Karriere des erfolgreichsten Skispringers der Weltcupgeschichte endete einst auf einer Nebenbühne in der ostdeutschen Provinz. 

In Brotterode-Trusetal im Landkreis Schmakaldingen-Meiningen nahm Rekordmann Gregor Schlierenzauer (53 Weltcupsiege) im Februar 2021 im Kontinentalcup Abschied vom Spitzensport.

Dem Skispringen ist der 35-Jährige freilich treu geblieben. Schlierenzauer analysiert für den ORF die Vierschanzentournee und ist Mentor von Jungstar Stephan Embacher.

KURIER: Wie viel Skispringer steckt noch in Ihnen?

Gregor Schlierenzauer: Natürlich kann ich mich in vieles hineinversetzen, das die Skispringer erleben. Weil ich oft selbst in dieser Situation war und verstehen kann, wie es ihnen gerade geht. Es ist jetzt aber schon wieder länger her, dass ich davon geträumt habe, dass ich noch springe. Das waren eigenartige Träume.

Inwiefern eigenartig?

Während der Karriere habe ich praktisch nie vom Skispringen geträumt. Sondern erst danach, als ich das Buch geschlossen habe. Das Lustige war, dass ich es im Traum nie bis zum Sprung geschafft habe. Es ist immer was dazwischen gekommen.

Was denn zum Beispiel?

Immer ein anderer Blödsinn. Einmal war die Bindung falsch montiert, dann habe ich die Startnummer vergessen, ein anderes Mal waren die Ski verschwunden. Völlig strange – aber ich dürfte damit nicht allein sein. Toni Innauer hat mir erzählt, dass es ihm ähnlich gegangen ist.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie heute einen Wettkampf verfolgen?

Da kommen schon immer wieder die Gefühle hoch, die ich selbst bei einem Sprung hatte.

Sie können dieses Gefühl immer noch abrufen?

Das hat sich bei mir sehr tief eingebrannt. Wie es sich anfühlt, zu fliegen und durch die Luft zu schweben. Ich finde das schön, dass mir das geblieben ist. Weil es doch etwas Spezielles ist, das nicht jeder erleben darf.

  10 Jahre nach letztem Triumph in Zauchensee: Vonn siegt wieder

Privat

Gregor Schlierenzauer ist auch heuer bei der Tournee wieder als ORF-Experte im Einsatz

Verbinden Sie diese Glücksgefühle denn mit einem bestimmten Sprung? 

Da geht’s gar nicht so um einen speziellen Wettkampf. Das ist eher ein Grundgefühl. Ich würde es fast so beschreiben: Jeder weiß, wie es sich anfühlt, zu schwimmen. Ich weiß halt, wie es sich anfühlt, durch die Luft zu fliegen.

Sie schwärmen regelrecht davon: Hat es Sie seit Ihrem letzten Sprung im Februar 2021 denn nie mehr gereizt, auf die Schanze zu gehen?

Ich hatte damals in Brotterode in mir das Gefühl, dass es das war. Und zwar endgültig. Es gab die Idee, dass ich noch ein großes Abschlussspringen machen sollte, aber das hat mich nicht gereizt.

Ein kleines Gedankenspiel: Sie bekommen die neuesten Sprungski und einen aktuellen Anzug. Wie würden Sie sich heute schlagen? 

Beim Skispringen muss man dranbleiben, sonst wird die mentale Hürde schnell zu hoch. Ich würde mich heute nicht mehr trauen, auf den Bergisel zu gehen und runter zu springen. Wenn ich jetzt beim Skifliegen zusehe, denke ich mir: ,Das war schon krass, was ich da gemacht habe.’ Wenn man das tagtäglich macht und trainiert, dann ist das einfach in einem drinnen und das normalste der Welt. Ich habe mir als Aktiver nie darüber Gedanken gemacht, dass das Skispringen vielleicht gefährlich sein könnte.

APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTH

Gregor Schlierenzauer stand als Skispringer im Rampenlicht

Worauf achten Sie denn heute, wenn Sie einen Wettkampf verfolgen?

Mir fallen sichere andere …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

(Visited 4 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.