Venezuela: „Maduro ist weg, aber das System ist immer noch da“

Politik
Delcy Rodriguez is sworn in as Venezuela's interim president after Maduro's capture

Den Alltag möglichst still meistern, nicht auffallen, nicht mit Unbekannten auf der Straße reden – schließlich weiß man nie, wer zu den Anhängern des in die USA entführten Präsidenten Nicolás Maduro gehört, wer einen an die Sicherheitskräfte verraten und wer einen dann doch noch in eine der Folterzellen der venezolanischen Diktatur bringen könnte. „Die Leute haben Angst, man weiß ja nicht, was kommt“, schildert Matteo, ein dem KURIER bekannter Journalist in Caracas.

Drei Tage nach der Blitzinvasion der USA, bei der Venezuelas Präsident, dessen Frau und Sohn verhaftet und verschleppt wurden, scheint die Führung des Landes die Kontrolle wieder mit aller Härte herstellen zu wollen: 

Der Ausnahmezustand wurde verhängt, an Checkpoints in der Hauptstadt kontrollieren Polizisten die Handys der Passanten, mehr als ein Dutzend Journalisten wurden vorübergehend verhaftet.

Matteo meidet die Straßen derzeit. Den Zorn der Maduro-Anhänger und des Regimes ziehe man sich allein schon zu, „wenn man bei ihren Parolen nicht mitschreit“, schildert er.

Die Verunsicherung ist groß unter all jenen, die seit Jahren auf ein Ende der linken Diktatur in Venezuela hoffen. „Jeder, mit dem ich gesprochen habe, sagt: Der Präsident ist weg, ja, aber das System ist immer noch dasselbe“, erzählt Matteo. „Wir wollen die Institutionen verändern, das System muss weg, wir wollen endlich Demokratie“, fährt der junge Venezolaner fort und pocht darauf, dass ja schließlich Friedensnobelpreisträgerin Maria Machado im Vorjahr die Wahlen gewonnen habe.

Zurück in die Heimat

Die Oppositionsführerin, die sich derzeit noch im Exil aufhält, hat angekündigt, möglichst bald in ihre Heimat zurückzukehren.

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US-Präsident Donald Trump aber hat die Idee, dass die 58-jährige Oppositionelle die Führung in Venezuela übernehmen könnte, glattweg zurückgewiesen. Sie habe im Land zu wenig Rückhalt, sagte Trump.

Jagd auf Kollaborateure

Die USA setzen offenbar vorerst weiter auf das linke Regime in Caracas, das von Delcy Rodríguez als Interimspräsidentin geführt wird.

via REUTERS/Marcelo Garcia/Miraflores Palace

Delcy Rodriguez nach ihrer Angelobung als Interimspräsidentin

Als eine ihrer ersten Amtshandlungen ermächtigte sie die Polizei, nach allen Personen zu suchen und zu verhaften, die den Einsatz der US-Kommandos unterstützt haben, bei dem Maduro und seine Frau entführt wurden.

Und auch die Ankündigung Trumps, die USA würden Venezuela regieren, verunsicherte Menschen, sagt Matteo. „Das will ich nicht, keiner von uns will das“, sagt er.

Dass die USA mit ihrem Militär in seiner Heimat interveniert haben, empört ihn allerdings ebenso wenig wie alle anderen Gegner des Maduro-Regimes: „Völkerrecht? Unsere Regeln wurden immer verletzt“, meint er und gibt zu bedenken:

„Wenn Maduro jetzt in New York vor Gericht steht, hat er alle Rechte eines Angeklagten. Wenn du hingegen bei uns im Gefängnis landest, weiß erst mal kein Mensch, wo du bist, in welchem Loch du misshandelt wirst und nur, wenn du Glück hast, bekommst du Wasser.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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