Die Welt als Wille und Ausstellung: Der Otto-Mauer-Preisträger Nadim Vardag

Kultur
Nadim Vardag

In seiner letzten Ausstellung im Sommer 2025 zeigte Nadim Vardag Skulpturen im Kunstraum ORR im italienischen Brescia.

Aber Vorsicht: Die Objekte – aus normierten Tischgestellen gefertigt und senkrecht an der Wand montiert – waren nicht wirklich an dem Ausstellungsort vorhanden.

Der Künstler hatte dort lediglich Fotos an die Wand gehängt, die eine Ausstellungssituation zeigten, die er sich in seinem Wiener Atelier am Computer zusammengezimmert hatte – mit virtuellen Raumansichten und Fotos der tatsächlichen Werke, die das Atelier aber nie verließen.

Nadim VardagAusstellung

Was also definiert eine Ausstellung? Für eine Künstlerkarriere ist die fotografische und schriftliche Dokumentation, dass eine solche stattgefunden hat, oftmals wichtiger als die Frage, wie viele Menschen die betreffende Schau gesehen haben. Und Nadim Vardag, der mit dem renommierten Otto-Mauer-Preis 2025 eine ebenfalls karriereförderliche Auszeichnung entgegennehmen konnte, hat diese Mechanismen seit langer Zeit unter der Lupe.

„Ich arbeite immer sehr gezielt auf konkrete Ausstellungen hin“, sagt Vardag beim Besuch in seinem Atelier, für das er ein ehemaliges Geschäftslokal nahe dem Wiener Hauptbahnhof mit viel Sorgfalt adaptiert hat. Einen Teil der Räumlichkeiten nutzt Vardag selbst als Ausstellungsraum für befreundete Künstlerinnen und Künstler. Einen anderen Teil hat er mit Kästen verbaut – und dafür Eichenholzkonstruktionen wieder verwendet, die der Künstler 2022 für eine Ausstellungsarchitektur im mumok nutzte und später als eigenständige „Skulpturen“ in einer Galerie zeigte.

Umwertung

„Ich finde es schön, wenn das Material eine Geschichte mitträgt und das Objekt verschiedene Stadien durchläuft – vom Display zur Skulptur und weiter zum Möbel“, sagt Vardag. „Diese Verlagerung in der Wertigkeit ist etwas, das ich immer wieder thematisiere. Da geht es natürlich auch darum, wie Kunst funktioniert.“ Es fällt auf, dass Vardag, der in Nürnberg aufwuchs, hier in eine Tradition anschließt, die man – mit der Nähe von Kunst, Kunsthandwerk und Design und einem Hang zum Gesamtkunstwerk – durchaus als „Wienerisch“ bezeichnen kann. Die Assoziationen reichen von den Kreationen der „Wiener Werkstätte“ über die innovativen Präsentationsideen des Architekturvisionärs Friedrich Kiesler bis hin zu den Skulptur-Hybriden von Heimo Zobernig, bei dem Vardag einst studierte.

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Nadim Vardag

Dabei komme er ursprünglich von der klassischen Zeichnung her, erzählt Vardag. „Ich habe aber eigentlich in dem Moment, in dem ich mit dem Kunststudium begonnen habe, mit dem Handzeichnen aufgehört.“ Zu einer Schwäche fürs Konzeptuelle gesellte sich eine Leidenschaft für die Techniken des Kinos, mit denen sich Vardag lange befasste: „Ich war dann aber ein bisschen genervt davon, immer in diese Schublade gesteckt zu werden“, sagt er.

Druckgrafiken, die unter dem Titel „Alte Muster“ 2018 erstmals ausgestellt waren, waren eine Rückkehr zur Zeichnung auf Umwegen: Präzis gezeichnete Gewebe-Strukturen, in Kaltnadel-Technik in Metall geritzt, entsprangen einer „Lust, etwas wahnsinnig Altmodisches zu machen“, aber auch einem Interesse an Struktur, Strenge und der Abweichung davon.

Nadim Vardag

Druckplatten werden bei Vardag selbst zu Teilen des Werks, ebenso wie Klapprahmen und andere Vorrichtungen, die eben vieles sein können – Objekt, Bild, Möbel, Präsentationswerkzeug.

Die Präzision, mit der Vardag die Möglichkeiten abklopft, wurde auch von der Jury des Otto-Mauer-Preises hervorgehoben. Dass er die Ausstellung, die einem Preisträger zusteht, nicht aus dem Handumdrehen bestücken konnte, erscheint da nicht verwunderlich: Erst am 11. …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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