
Die Finanzmärkte wurden 2025 durch eine Vielzahl von Ereignissen erschüttert. „Wir werden davon ausgehen, dass auch 2026 viele Überraschungen für uns bereithält“, sagt Rainer Hauser, Chief Investment Officer der Erste Group. Die Bank bringt kommenden Dienstag erstmals die Publikation „Erste Insights“ heraus. Sie soll privaten Anlegern dabei helfen „aus der Vielzahl von Informationen die Dinge herauszufiltern, die ihre Anlageentscheidungen treiben sollen“.
Grönland-Annektierung hätte globale Auswirkungen
Die vergangenen drei Jahre seien für Anleger im Allgemeinen gut verlaufen. Auch 2026 spricht vieles für satte Gewinne. Allerdings gibt es auch einige Risiken, allen voran die geopolitische Lage, schildert Erste Group Chefökonom Fritz Mostböck. Die US-Intervention in Venezuela habe etwa so gut wie gar keinen Einfluss auf die Finanzmärkte. „Sollte Grönland ein Thema werden, hätte das hingegen globale Auswirkungen“, so Mostböck.
US-Wirtschaft leidet unter Zöllen
In der Zollfrage sieht der Analyst eine allmähliche Normalisierung. Die Inflation in der Eurozone sollte 2026 von derzeit 2 Prozent auf 1,8 Prozent sinken. In den USA wird mit einem Rückgang von 3 Prozent auf 2,8 Prozent gerechnet. Der höhere Wert in den USA sei hauptsächlich auf die Zölle zurückzuführen: „Sie haben eine negative Auswirkung, obwohl das manche nicht so sehen wollen. Zölle sind im Prinzip wie erhöhte Steuern.“
Erste Bank/ Marlena König
Fritz Mostböck, Rainer Hauser und Gerold Permoser (v. li.) bei der Vorstellung des „Erste Insight 2026“.
Starker Euro wird Lage für Exporte schwierig machen
Die Leitzinsen sollten in Europa im kommenden Jahr unverändert bleiben, in den USA rechnet die Bank mit einer leichten Zinssenkung. Der Euro sollte gegenüber dem Dollar weiterhin stark sein, auch weil in Europa viel Geld in Rüstung und Konjunkturprogramme gepumpt wird. Das könnte die Situation für Exporte schwieriger machen. Insgesamt prognostiziert man ein Wirtschaftswachstum im Euroraum von 1,1 Prozent. In den USA sollten es trotz trüberer Aussichten 1,8 Prozent sein. In den Wachstumsmärkten wird mit durchschnittlich 4 Prozent gerechnet. In Indien sollen es 6 Prozent sein.
KI-Blase enthält reale Gewinne
Ein weltweites Trendthema ist Künstliche Intelligenz. Hier bestehe die Furcht vor einer Blase, die platzen könnte. Darauf weise bis jetzt aber wenig hin, sagt Gerold Permoser, Veranlagungschef der Erste Asset Management. Reale Gewinne, allen voran bei Chipherstellern wie Nvidia, untermauern das Abschneiden an den Börsen. IT-Unternehmen seien die Hauptgewinner unter US-amerikanischen Aktien. Europa habe beim Potenzial für Anleihen die Nase vorn. Gold als „Versicherung“ gegen unerwartete Ereignisse werde stark bleiben.
Risiko nehmen ist angesagt, aber mit Vorsicht
„Die Wirtschaft wächst und Leitzinsen fallen, daher sind wir in der besten Phase“, sagt Permoser. 2026 sollten Anleger Risiko nehmen, aber diversifizieren und nicht alles auf eine Karte setzen. „Risk-on ja, aber nicht All-in“, laute das Motto. Der Großteil der Ökonomen teile positive Einschätzungen in ähnlichem Ausmaß. „Wir denken alle dasselbe, das ist ein Stück weit eine Gefahr.“ Gewinne würden in den Markt eingepreist, während Verluste höher ausfallen könnten. Es herrsche ein „asymmetrisches Risikoprofil“.
ATX-Unternehmen attraktiv, weil Osteuropa drin steckt
„Man darf nicht die Nerven verlieren“, rät Hauser. Das starke Abschneiden des DAX und des ATX führt er unter anderem darauf zurück, dass deutsche und österreichische Unternehmen tendenziell niedriger bewertet wurden. Bei der Entwicklung des ATX habe sich überhaupt …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



