Pistolen: Wie Glock um einen Großauftrag gebracht wurde

Wirtschaft

Eines der größeren Rüstungsprojekte der Schweizer Armee hat sich zu einem riesigen Beschaffungsskandal ausgewachsen. Es geht um den Kauf von 140.000 Armeepistolen als Ersatz für die 50 Jahre alte Ordonnanzpistole P75.

Im vergangenen Herbst war das Auswahlverfahren aufgesetzt worden. Im Rennen war der österreichische Hersteller Glock mit seiner Pistole G45, die deutsche Firma Heckler & Koch mit der FSP9 und die US-Herstellerin SIG Sauer mit der Pistole P320. Letztere ist ein früheres Schweizer Unternehmen und hat auch heute noch eine Niederlassung in Neuhausen am Rheinfall in der Schweiz. Der Auftrag hat einen Wert in Höhe von umgerechnet 96 Millionen Euro.

„Teilweise durchgefallen“

Wie das Schweizer Online-Medium watson.ch am Donnerstag berichtete, steht die Glock 45 bei Schweizer Militärexperten hoch im Kurs und sollte eigentlich zum Zug kommen.

„Alle drei Waffen wurden einer intensiven und umfassenden technischen Erprobung, einem Truppenversuch sowie der Prüfung logistischer Aspekte unterzogen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die sichere Handhabung der Pistolen gelegt. Die Versuche zeigten, dass nur die Glock G45 alle Musskriterien erfüllte und als truppentauglich eingestuft wurde“, heißt es in der Schweizer Zeitschrift Militär aktuell. „Trotz dieser technischen Spitzenleistung (Anm.: der Glock) fiel die Wahl überraschend auf die SIG Sauer P320.“ Überraschend deshalb, weil die SIG Sauer P320 beim Vergleich „teilweise durchgefallen“ sein soll. Dem Vernehmen nach fühlt sich der Ferlacher Pistolenhersteller Glock übergangen.

Kein Rechtsmittel möglich

„Die Schweizer Armee macht zwar teure Ausschreibungs-verfahren und wenn dann, wie in diesem Fall, Glock Bestbieter ist, kommt der Armeechef und sagt, ich nehme einen anderen“, kritisiert ein Insider im Gespräch mit dem KURIER. „Glock kann gegen diese Entscheidung kein Rechtsmittel einlegen.“ Der Schweizer Partner von Glock habe zwar massiv bei Politikern interveniert, doch die Sache selbst ist entschieden. Die Beschaffung der ersten 50.000 Stück soll schon von der Politik abgesegnet worden sein. Auch der Schweizer Rüstungschef Urs Loher soll sich für das SIG-Modell stark gemacht haben, berichtet die Tageszeitung Blick.

  Dreivierteltakt lässt die Kassen klingeln

Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse begründete den Entscheid „mit einer ganzheitlichen Nutzwertanalyse: Diese habe ergeben, dass die P320 über die geplante Lebensdauer von 30 Jahren die geringsten Gesamtkosten verursache und zudem den größten Beitrag zur Stärkung der lokalen Rüstungsindustrie leiste“. Im Endeffekt soll die SIG Sauer um 20 Prozent günstiger sein. Außerdem sollen die Waffen „vollständig in der Schweiz gefertigt und gewartet werden“. Derzeit produziert SIG Sauer vor allem in den USA.

Heftige Kritik

Diese Beschaffung soll jedenfalls auf erhebliche Kritik wegen mutmaßlicher Sicherheitsprobleme gestoßen sein. Denn die P320 sei höchst umstritten, weil sich von selbst Schüsse lösen können sollen. In einer Reihe von Fällen, vor allem in den USA, soll die P320 beim Ziehen aus dem Holster ausgelöst worden sein. Oder anders gesagt: Es gab und gibt Berichte über ungewollte Schussabgaben in den USA. Sie haben die Debatte stark befeuert und werfen Fragen zur Zuverlässigkeit der Waffe auf.

Doch SIG Sauer soll der Schweizer Armee versichert haben, dass die Waffe keine Schwächen oder Mängel habe. Bei den Vorfällen soll es sich „um Bedienungsfehler“ gehandelt haben.

Keine Antwort

Indes wird diese umstrittene Beschaffung die Schweizer Öffentlichkeit noch länger beschäftigen. Denn die Causa gilt als Paradebeispiel für eine intransparente Auftragsvergabe. „Der …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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