Konzerthaus: Ein ausgezeichneter Dirigent und ein sensationeller Pianist

Kultur

Der der gebürtige Schweizer Philipp Jordan erhellte seit 2001 immer wieder das musikalische Geschehen in Österreich. Zunächst als Chefdirigent der Grazer Oper (2001 – 2004), von 2020 bis 2025 als Musikchef der Wiener Staatsoper, zuvor als Chef der Wiener Symphoniker (2014 – 2021). Jetzt überreichte ihm Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

Matthias Naske, Intendant des Wiener Konzerthauses, erinnerte an prägende Aufführungen, darunter an den Beethoven-Zyklus. Unvergesslich wird auch Jordans filigrane Interpretation von Bachs „Weihnachtsoratorium“ (2018) bleiben.

Als er die Ehrung entgegennahm, dankte er sympathisch der Republik, seinen Mitstreitern und dem Publikum und blickte auf eine „erfüllende“ Zeit mit den Wiener Symphonikern und auf eine „spannende“ an der Staatsoper zurück. 2027 übernimmt er das Orchestre National de Paris. „In diesen Zeiten brauchen wir Musik mehr denn je“, sagte Jordan. Diesen Satz könnte man auch auf ihn umlegen.

Dem Anlass entsprechend ereignisreich geriet auch der erste Teil seines Konzerts mit den Symphonikern. Mit dem Pianisten Jan Lisiecki führte er Felix Mendelssohn Bartholdys erstes Klavierkonzert in g-Moll auf. Ein Virtuose an den schwarzen und weißen Tasten traf da auf einen feinsinnigen Dirigenten.

Das Werk ist durchgehend verblüffend und fordert vom Solisten alles. Technik, Virtuosität, Bereitschaft zum Austausch mit dem Orchester und ein Höchstmaß an Kantabilität beim Spielen. Lisiecki bringt das alles mit. Die energetischen Passagen in den Ecksätzen könnten leicht als Demonstration purer Virtuosität abgetan werden. Aber dieser Pianist ließ ständig aufhorchen, bestach mit fulminanten Läufen und perlenden Passagen. Wie er mit Bedacht zur Poesie im langsamen Satz überging, war verstörend stark. Bei diesem Andante brachte er sein Klavier wie in einem von Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ sublime zum Singen, und die Streicher stimmten in seinen „Gesang“ harmonisch ein. Zurecht wurde er nach der Zugabe, einem Walzer von Brahms, bejubelt.

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Entglittener Horn-Ruf

Wie spannend er die Symphonien von Anton Bruckner interpretiert, bewies Jordan noch als Chef der Symphoniker. Bei der „Vierten“ in Es-Dur (Dritte Fassung), auch die „Romantische“ genannt, machte es ihm der Klangkörper nicht leicht. Der Beginn mit den irrlichternden Streichern wurde vom entglittenen Horn-Ruf gestört. Die Blechbläser fanden nicht zu ihrer üblichen Form.

Maighréad McCrann vom RSO tat ihr Möglichstes als Einspringerin am Konzertmeisterpult, und das war nicht wenig. Wenn aber auch diese Position unbesetzt ist, braucht es einen Dirigenten, der vieles ausgleicht – wie Jordan. Er generierte Momente höchster Spannung und führte feinst differenziert durch die Partitur.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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