Iranischer Cannes-Gewinner Jafar Panahi: Die Gewaltkette unterbrechen

Kultur
Jafar Panahi.

Jafar Panahi hat gute Chancen auf einen Oscar. Zugleich aber droht ihm das Gefängnis in seiner Heimat Iran, wo derzeit Proteste toben (siehe dazu S. 6).Tausende Demonstranten richten sich gegen das repressive Mullah-Regime, das auch Jafar Panahi in seinen Filmen immer wieder scharf in die Kritik nimmt.

Deswegen wurde einer von Irans streitbarsten und profiliertesten Regisseuren der Gegenwart auch schon mehrfach verurteilt. Zuletzt aus Anlass seines neuesten Films „Ein einfacher Unfall“ (derzeit im Kino), der in Cannes die Goldene Palme gewann: Während Panahi im Ausland seine neue Arbeit vorstellte, wurde in Abwesenheit durch ein Revolutionsgericht in Teheran eine einjährige Haftstrafe verhängt. Nach Angaben seines Anwalts Mostafa Nili ist ihm zusätzlich untersagt, Mitglied in politischen oder sozialen Gruppen zu sein; ein zweijähriges Ausreiseverbot wurde ebenfalls ausgesprochen.

Anklagepunkt: Propaganda gegen das Regime.

Polyfilm/Majeed Saeedi

Gewann die Goldene Palme in Cannes: Jafar Panahi.

Haftstrafen

Für den 65-jährigen Panahi ist dies keineswegs das erste Mal, dass die iranische Justiz gegen ihn vorgeht. In den Jahren 2022/’23 saß er für rund sieben Monate im berüchtigten Evin-Gefängnis, wo man ihn erst nach einem Hungerstreik freiließ; auch davor wurde er fast drei Monate lang inhaftiert. Und obwohl Panahi zu 20 Jahren Berufs- und Reiseverbot verurteilt worden war, drehte er weiter heimlich seine Filme.

In seinem neuen, exzellenten Roadmovie-Drama „Ein einfacher Unfall“ befindet sich Jafar Panahi nun seit langem wieder hinter der Kamera. In den vorhergehenden Filmen wie „Taxi Teheran“ oder „No Bears“ war er, wenn schon nicht im Mittelpunkt, so doch zumindest prominent am Rande des Geschehens gestanden. Nun aber hat er wieder die klassische Regieposition eingenommen: „Als ich damals mit Berufsverbot belegt wurde, war ich total schockiert“, erklärt Jafar Panahi hinter seiner typisch schwarz getönten Brille im KURIER-Gespräch: „Alle meine Gedanken drehten sich um meine persönlichen Umstände und meine Arbeit – deswegen stand ich auch immer selbst vor der Kamera. Ich habe mich gefragt: Was soll ich machen, wenn ich keine Filme mehr drehen darf? “

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Taxifahren, lautete eine Antwort: „Aber wenn ich schon Taxi fahre, dann habe ich eine Kamera dabei und erzähle die Geschichten meiner Mitfahrer.“ Das Resultat dieser Überlegung war Panahis klandestin gedrehter, hoch akklamierter Film „Taxi Teheran“, in dem der Regisseur selbst als Fahrer hinterm Steuer sitzt und mit den Kunden, die bei ihm einsteigen, Gespräche führt. Auf der Berlinale 2015 erhielt er dafür den Goldenen Bären.

Als vor drei Jahren schließlich sein Berufsverbot aufgehoben wurde, „habe ich psychisch diese mentale Last nicht mehr gefühlt und bin hinter die Kamera zurückgekehrt“. An seiner Arbeitsweise habe sich aber auch für „Ein einfacher Unfall“ nichts geändert: „Es ist immer noch so, dass man Drehbücher zur Genehmigung einreichen muss. Mir war klar, dass ich keine Erlaubnis bekomme – es sei denn, ich beuge mich der Zensur und lasse viele Änderungen zu. Aber dann wäre mein Film nicht mehr sinnvoll gewesen. Deswegen habe ich unerlaubt und ohne Zustimmung gedreht.“

Holzbein

„Ein einfacher Unfall“ erzählt von einem körperlich und seelisch gebrochenen Automechaniker namens Vahid. Als ein neuer Kunde mit Beinprothese die Werkstatt betrifft, glaubt er, in ihm seinen einstigen Folterknecht aus dem Gefängnis zu erkennen.

Ganz sicher ist er …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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