Proteste im Dunkeln: Iran dreht Internet ab

Politik

Im ganzen Land gibt es so gut wie kein Internet, und das seit zwei Tagen, man kann kaum telefonieren, weder im Inland noch ins Ausland. Nur Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, postet auf X, als ob nichts wäre: „So Gott will, wird Gott sehr bald allen Iranern das Gefühl des Sieges ins Herz geben“, schreibt er dort.

Seit Tagen gehen im Iran die Menschen auf die Straße, zu Tausenden. Zunächst hatten sie sich über die miserable Wirtschaftslage beklagt, nun schreien sie gegen das Regime und dessen Unterdrückung an – in 180 Städten soll es Demos gegeben haben. Mindestens 50 Menschen seien gestorben, heißt es von der US-NGO Human Rights Activists, 2300 seien in Haft.

Völlig abgeschnitten

Das Ausmaß des medialen Blackouts ist dabei aber ohne Beispiel. Auch nach dem Tod von Ayatollah Khomeini 1989 hatte das Regime alle Möglichkeiten zu telefonieren unterbunden, und während des Zwölf-Tage-Kriegs mit Israel im Sommer 2025 war die Internet-Bandbreite massiv reduziert gewesen. Doch jetzt wird selbst Elon Musks Starlink-System gestört, das für viele Iraner während der letzten großen Proteste im Jahr 2022 noch die letzte Lebensader war.

Die Protestierenden soll das in Angst versetzen. Sie können nicht kommunizieren, keine Treffpunkte ausmachen, sich nicht gegenseitig warnen. Zeitgleich gelangen so aber auch kaum Bilder und Informationen nach außen, was den Iranern das Gefühl geben soll, sie seien allein mit ihrem Protest. Im TV hingegen wird ein verzerrtes Bild der Realität gezeigt, die Proteste werden als Vandalenakte dargestellt. Als die bezeichnet auch Khamenei sie in den sozialen Medien; das Regime kontrolliert so auch das Bild im Ausland.

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Der Iran arbeitet schon seit Jahren daran, seine Bürger von Einflüssen aus dem Rest der Welt abzuschirmen, ähnlich wie Peking mit seiner digitalen chinesischen Firewall. Beobachter glauben darum, dass der Shutdown diesmal länger anhalten wird, denn die Möglichkeiten dafür seien da. Experten zufolge schafft es Teheran, die eigenen Kanäle offen zu halten. Das sei wichtig, denn ähnliche Maßnahmen hätten sich in der Geschichte schon gerächt: Als Ägyptens Machthaber Mubarak 2011 die Proteste gegen ihn per Netz-Blackout unterdrückte, schränkte das seine eigene Handlungsfähigkeit ein – er brachte auch seine eigenen Botschaften nicht mehr unters Volk.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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