
Norweger schweigen gern. Das weiß man zum Beispiel aus den Stücken des Literaturnobelpreisträgers Jon Fosse. Und auch der Regisseur Stefan Herheim, 1970 in Oslo geboren, schweigt gern. Allerdings vielsagend. Man muss das Schweigen nur richtig interpretieren. Mitunter jedoch platzt die Wut dann doch aus ihm heraus. Und das hat Gründe.
Noch vor ein paar Jahren schien es einen wunderbaren Weg mit dem Theater an der Wien zu nehmen. Denn das städtische Opernhaus, neben dem Ronacher und dem Raimund Theater Teil der Vereinigten Bühnen Wien (VBW), wurde mit viel Liebe und noch mehr Geld renoviert. Bei der Wiedereröffnung im Oktober 2024 als MusikTheater an der Wien klopften sich die Politiker, darunter auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, und die Manager freudestrahlend gegenseitig auf die Schultern. Doch nun lässt man den Intendanten, eben Herheim, im Regen stehen. Aufgrund massiver Budgetkürzungen kann er seinen Spielplan nicht realisieren – und muss die Kammeroper schließen.
Sicher, auch im Musical (im Ronacher und Raimund Theater) gibt es Einsparungen. Aber anderswo braucht das Musical überhaupt keine Unterstützung der öffentlichen Hand. Der Unterhaltungskonzern ATG zum Beispiel errichtet bis 2027 eine ovale Arena am Rande des Praters, die er gewinnbringend mit Musicals zu bespielen gedenkt.
KURIER: An Ihrer Stelle wären wir eifersüchtig auf die Musical-Sparte der VBW. Denn sie bekommt hochgerechnet 60 Prozent der Subventionen, die von Ihnen geleitete Oper nur 40 Prozent. Und nun wurde angekündigt, dass Sie Ihre kleine Spielstätte schließen müssen.
Stefan Herheim: Offiziell heißt es, dass wir in der Kammeroper „pausieren“. Es ist natürlich alles andere als erfreulich, wenn man einen Betrieb einstellen muss, der sehr gut läuft, wo die Stimmung intern stimmt und nach außen derart strahlt. Da fragt man sich schon: Was haben wir falsch gemacht?
Und?
Wir haben nichts falsch gemacht. Es sind budgetär schwierige Zeiten. Und die Wege des Herrn sind unergründlich – auch im katholischen Wien.
Aber die „budgetär schwierigen Zeiten“ wirken sich bei den VBW besonders auf die Oper aus.
Das hat mit dem Geschäftsmodell der VBW zu tun. Die Entscheidungen der Geschäftsführung sind aus betriebswirtschaftlicher Perspektive nachvollziehbar, denn wir sind ein großer Betrieb, und wenn die Subvention von 56 auf 51 Millionen Euro gekürzt wird, während die Preise und Gehälter weiterhin steigen, hat das weit größere Konsequenzen, als man sich das vorstellt.
Sie meinen: Es geht um viele Arbeitsplätze im Bereich Musical.
Ja, und um die Frage, welchen Stellenwert der Opernbetrieb – der kein Plus machen kann – haben soll, wenn der auf Gewinn ausgerichtete Musicalbetrieb nicht länger die Oper mitfinanzieren kann und die Kulturpolitik nicht vorschreibt, wie die Subvention auf die beiden Sparten zu verteilen ist.
Wie ist das Ganze abgelaufen?
Es sind viele Fragen offengeblieben. Ein Opernhaus wie das MusikTheater an der Wien muss mindestens drei Jahre im Voraus den Spielplan fixieren und braucht dafür die entsprechende Planungssicherheit. Dass wir erst Mitte Dezember 2025 das Budget für 2026 bekommen haben und darüber hinaus nicht wissen, wie wir aufgestellt sein werden, ist mit unserem Tagesgeschäft ebenso unvereinbar wie mit unserem kulturpolitischen Auftrag und dem, was von uns erwartet wird.
Thomas Trenkler
Früher gab es im Theater in der Wien neun Produktionen pro Saison …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



