Kabarett-Duo Chmelar/Prokopetz: „Schüttelreime aus dem Ärmel geschüttelt“

Kultur
Dieter Chmelar, Joesi Prokopetz

Ein pointenreiches Interview mit zwei „Zirkuspferden“.

KURIER: Wie oft werden Ihre Namen falsch ausgesprochen?

Joesi Prokopetz: In einem Lokal in der Schweiz wurde der Name einmal als „Bruckenbeck“ notiert.

Dieter Chmelar: Da hast du aber eh Glück, ich habe einmal „Kamelhaar“ geheißen.

Auch Joesi ist ungewöhnlich.

Prokopetz: Ja, manche sprechen es als „Joschi“ aus, was mir ganz furchtbar ist, oder „Josi“ oder „Jösi“.

Chmelar: Aber eigentlich heißt du Josef. Und darf man auch deinen Spitznamen als Kind verraten?

Prokopetz: Gucki! Weil ich große, braune Augen hatte, mit denen ich, obgleich erstaunt, so doch wissbegierig in die Welt blickte.

Was hat Sie beide zusammengebracht?

Prokopetz: Eine Hinterlist des Schicksals!

Chmelar: Es ist eine Geschichte der Nacht.

Prokopetz: Das Nachtleben war es.

Chmelar: Uns beide erfüllte ein Hauch von Respekt – das hat sich mittlerweile ein bissl verspielt … Er war damals schon wer, ich war ja nix.

kurier/Wolfgang Wolak

Prokopetz: Du warst doch schon als der Pointenreiche bekannt! Das hat mich sogar mit ein bissl Neid erfüllt. Der hat auf alles was g’wusst und Schüttelreime wirklich aus dem Ärmel geschüttelt! Unsere Unterhaltungen waren rein philosophisch wertlos, weil sie ein dauerndes Einanderübertreffen waren.

Chmelar: „Hirscheln“ heißt das in der Jägersprache. Er, der Sechzehn-Ender, und ich der Acht-Ender, der aus dem Unterholz brach!

Ihr seid ja beide starke Persönlichkeiten …

Chmelar: … nein, fragen Sie unsere Frauen!

Prokopetz: Sag’ ma lieber: zwei stärkere Herren.

Kriegen Sie sich denn nie in die Haare?

Chmelar: Unablässig!

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Prokopetz: Würde ich gar nicht so sagen! Obwohl wir schon schonungslos diskutieren.

Chmelar: Es handelt sich um einen Gedankenaustausch: Ich komm’ mit meinen Gedanken und geh’ mit seinen.

Prokopetz: Das stimmt so auch nicht. Die erfüllendsten Momente sind, wenn wir zusammen schreiben.

Kommen Sie neben Chmelars Wuchtelfeuerwerk überhaupt zu Wort?

Prokopetz: Manchmal unterbrech’ ich ihn, um eine starke Pointe anzubringen, was sehr schwer möglich ist.

Chmelar: Ich bin ein sehr verträglicher Mensch. Ich habe auch die Ehe meiner Eltern gerettet: Sie wollten sich scheiden lassen, aber keiner wollte das Sorgerecht für mich!

kurier/Wolfgang Wolak

Man weiß, dass Sie Ihre lose Zunge öfter in Schwierigkeiten gebracht hat! Man erinnere sich an Monika Lindner.

Chmelar: Ja, sie hat mir zum Abschied sehr tröstlich gesagt: „Du bist so begabt, du brauchst den ORF nicht.“ Und ich habe geantwortet: „Bei dir ist es genau umgekehrt.“

Natürlich liefert euch auch die Politik täglich Pointen.

Chmelar: Wir wollen uns bei diesem Programm ganz bewusst nicht der Tagesaktualität ausliefern.

Prokopetz: Politische Pointen sind entweder blöd – da macht man Witze über Kickls Untergatte – oder driften ins Ideologische ab, was auch nicht immer wirkliche Pointen verträgt.

Chmelar ist allerdings schon oft ziemlich politisch.

Chmelar: Ich falle ja unter Artenschutz und gehöre zu den letzten Gemeindebaukindern, die noch immer einem linken, weltverbessernden Gedankengut frönen.

Prokopetz: Ich war ein Linker – u. a. im Verein sozialistischer Mittelschüler. Aber je älter ich werde, desto weniger kann ich mich mit manchen linken Parolen und Forderungen anfreunden. Es kommt ja eh kaum was, außer vielleicht, dass man auf den Mietpreisen rumreitet.

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Chmelar: Aber das geht den Menschen unter die Haut. Und man deckt das alles zu, indem man sagt, es darf nicht gegendert werden und es gibt nur zwei Geschlechter!

Prokopetz: Es gibt doch nur zwei Geschlechter!

Chmelar: Das stimmt …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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