Oscarpreisträger Brendan Fraser: „Ich war wie der Familienhund“

Kultur
Regisseurin Hikari.

Brendan Fraser bekommt eine Menge Drehbücher zu lesen, und nicht alle sind sonderlich originell. Aber eines stach ihm sofort ins Auge, schon allein aufgrund des Titels: „Rental Family“ – auf gut Deutsch: „Mietfamilie“.

Mietfamilie? Was soll das heißen? Eine Familie zu mieten? Gibt es auch eine zu kaufen?

„Es ist ein wunderbarer Titel, der mich sofort neugierig gemacht hat“, schwärmt Brendan Fraser mit seiner typisch weichen Stimme während eines Roundtable-Gesprächs mit dem KURIER und anderen Medien: „Ich wollte sofort mehr wissen.“

Und so traf sich Brendan Fraser mit der in Amerika lebenden japanischen Regisseurin Hikari und ließ sich erklären, was eine Rental-Family-Agentur ist. Tatsächlich gibt es in Japan ein Geschäftsmodell, bei dem Schauspieler dafür bezahlt werden, Familienmitglieder oder nahe Personen zu verkörpern.

Sie brauchen einen Partner für ein Familientreffen? Einen besten Freund für einen Abend? Eine Person, die Ihren verlorenen Vater spielt?

„Wenn ich jemanden mieten müsste, der ein Familienmitglied für mich verkörpert, dann wäre es eine Schwester“, strahlt der 57-jährige Fraser: „Ich bin der jüngste von vier Söhnen. Ich habe mir schon immer eine Schwester gewünscht.“

Regisseurin Hikari wiederum, Tochter einer Alleinerzieherin, würde jemanden ausleihen, der ihren Vater verkörpert: „Ich habe mich mit meinem Vater nie gut verstanden“, sagt sie im Gespräch: „Ich würde jemanden an seiner Stelle engagieren, um meine Vergangenheit in Ordnung zu bringen.“

Brendan Fraser, Oscarpreisträger seit seiner herausragenden Performance als übergewichtiger Englischlehrer in „The Whale“, und Hikari waren sich schnell einig.

Er übernahm die Hauptrolle und begann, Japanisch zu lernen.

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Fake-Begräbnis

In „Rental Family“ spielt der ehemalige Star aus „Die Mumie“ und „George – Der aus dem Dschungel kam“ einen glücklosen amerikanischen Schauspieler namens Philipp. Philipp hat es in Japan dank einer Zahnpastawerbung zu kurzem Internet-Ruhm gebracht, bald aber bleiben die zündenden Rollenangebote aus. Acht Jahre später hängt Philipp immer noch in Tokio herum und tritt ab und zu in mittelmäßigen, koreanischen Cop-Shows auf. Weder läuft seine Karriere gut, noch hat er ein nennenswertes Privatleben.

„Ich konnte seine Sehnsucht nach Zugehörigkeit gut nachfühlen“, so Fraser seelenvoll: „Er ist fremd in Japan, aber er bemüht sich darum, sich auf die Kultur einzulassen und sie zu verstehen.“

Interessanterweise hilft ihm das Fake-Business dabei.

Einer der ersten Jobs, die Philipp übernimmt, besteht darin, einen Bräutigam zu spielen. Er führt eine ihm völlig unbekannte junge Japanerin zum Altar. Ihre Familie soll nicht wissen, dass sie eigentlich eine Frau liebt; das Täuschungsmanöver erspart Konflikte und verschafft ihr Freiheit. Ein andermal findet sich Philipp bei einer Trauerfeier wieder, wo schluchzende Verwandte am Sarg des „Toten“ weinen, der aber plötzlich wieder aufspringt und sich für die vielen Tränen bedankt: „Für ein westliches Publikum wie Amerikaner und Europäer ist die Idee, dass man ein Familienmitglied ,anheuert’ eher ungewöhnlich“, gibt Fraser zu: „In Japan gibt es seit den 1980er-Jahren etwa 300 Unternehmen, die Familienvermittlungsagenturen betreiben. Psychische Probleme sind in Japan stigmatisiert. Aber es ist nicht ungewöhnlich, dass man sich an so menschendichten Orten wie Tokio, Berlin, London oder irgendwo sonst auf der Welt in der Menge sehr einsam fühlen kann. Anstatt sich also in Therapie zu begeben, mietet man sich in Japan einen Schauspieler als Ersatz. Natürlich …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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