
Science-Fiction hat unsere Zukunft schon oft vorhergesehen. Oder besser: vorhersehen wollen. Nicht so oft kommt es aber vor, dass ein fast 100 Jahre alter Film in dem Jahr handelt, in dem die reale Menschheit gerade angekommen ist. Heuer ist das der Fall: Fritz Langs epochemachender Stummfilm „Metropolis“ von 1927 spielt im Jahr 2026. Um ganz genau zu sein, spielt der zugrunde liegende Roman von Thea von Harbou 2026. Fritz Lang selbst hat die genaue Datierung vermieden.
In „Metropolis“ wohnt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Da sind zum einen die Reichen – allen voran der Herrscher und Gründer der Stadt, Joh Fredersen –, die in Luxus leben. Und dann sind da die Arbeiter, die unter unmenschlichen Bedingungen Maschinen bedienen, ohne die die Stadt nicht funktioniert. Eine Frau, Maria, will eine friedliche Annäherung dieser beiden Klassen, mithilfe von Fredersens Sohn Freder. Aber Erfinder Rotwang baut einen „Maschinen-Menschen“ mit – nach Fredersen Seniors Befehl – Marias Aussehen. Die sät nach entsprechender „Programmierung“ nur Zwietracht. Schließlich kommt es zum Aufstand der Arbeiter, die Maschinen stehen still, die Stadt steht vor der Katastrophe.
Abhängig von „Maschinen“
Wie sehr wir heute tatsächlich von „Maschinen“ abhängig sind, hat schon zu Beginn des Jahres recht eindrücklich der Stromausfall in Berlin gezeigt – übrigens nicht weit entfernt von dem Ort, an dem „Metropolis“ gedreht wurde. Aber es geht auch weniger existenziell: Wer denkt heute schon länger nach, wenn einem etwas nicht einfällt – und wirft nicht gleich „Maschine“ Google an? Und wer findet sich ohne Navigationsprogramm am Handy in einer neuen Umgebung zurecht?
U.F.A / Album/U.F.A/Imago Images
Die ikonische Architektur von „Metropolis“ beeinflusste unzählige weitere Filme, etwa „Blade Runner“.
Virtuelle Kopien
Rotwangs falsche Maria war das erste Deepfake der Filmgeschichte – die Fälschung von Bildern im Internet wird uns 2026 gewiss weiter beschäftigen. Schon 2022 fiel Wiens Bürgermeister Michael Ludwig auf ein computergeneriertes Video von Vitali Klitschko herein. Im Jahr 2026 hat sich die Technologie „dank“ Künstlicher Intelligenz massiv weiterentwickelt. Es ist im Jahr 2026 keineswegs undenkbar, dass – parallel zu „Metropolis“ – jemand, der sich Vorteile davon verspricht, mit der virtuellen Kopie einer Person (oder einer rein virtuellen Person) einen Putsch anzettelt. Wie schnell sich im Netz, zumal in den Sozialen Medien, ein Mob mobilisieren lässt, zeigt sich seit einigen Jahren.
Aber auch hier muss es nicht gleich existenziell sein: Die Flut an kaum als solche erkennbaren KI-generierten Kurzvideos auf Instagram und TikTok – vor allem Letzteres vielgenutzt von der Jugend – wird heuer nur noch mehr zunehmen. Musste man früher Stadtkindern erklären, dass Kühe nicht lila sind und Hühner nicht aus der verschweißten Packung kommen, wird für die nächste Generation die Stadt/Land-Dualität ersetzt werden von jener von KI-Fake und echtem Leben: Zur Lernkurve wird dann gehören, dass Katzen nicht Tuba spielen können und auch nicht in Daunenjacken gehüllt Coffee-to-go-schlürfend flapsig kommentierte Reisebericht-Videos drehen.
Futter für die Maschinerie
Apropos Künstliche Intelligenz: Nichts anderes ist natürlich der „Maschinen-Mensch“. Erst eine rüstung-artige Figur, die sich durch Rotwangs Technik in eine menschliche Gestalt verwandelt. Da ist der Film aus der Vergangenheit seiner Zukunft weiterhin weit voraus. Denn Roboter – selbst von den kühnsten …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



