
Wenn es ein Omen ist, dann kein gutes.
Nach den Einsparungen und Kündigungen im aktuellen Infobereich im Vorjahr hat ProSiebenSat.1Puls4 über den Jahreswechsel die ATV-Sendung „Aktuell: Der Talk“ überraschend eingestellt. In den vergangenen sieben Jahren analysierte die heimische Innenpolitik-Journalismus-Riege bei Meinrad Knapp das aktuelle politische Geschehen mitunter mit viel Ironie und klaren Worten.
Bestehende Kräfte bündeln
In einer Mail an bisherige Teilnehmer heißt es dazu, „2026 bündelt ATV die bestehenden Kräfte neu.“ Die mit der Sendung „gewonnene Expertise fließt künftig in eine neue Talk Sendung mit Meinrad Knapp , die wir aktuell entwickeln.“
Als letzter originärer Info-Talk ist nun nur noch „Aktuell: Die Woche“ mit Moderator Knapp, Politikberater Thomas Hofer und Meinungsforscher Peter Hajek am Freitagabend bei ATV auf Sendung. Die Drei lassen darin die vergangene politische Woche, jeweils garniert mit einer aktuellen Umfrage, pointiert Revue passieren.
Frische Impulse, neue Perspektiven
Nun verspricht man bei ProSiebenSat.1Puls4, alsbald „ein neues Kapitel im Hauptabend“ aufzuschlagen. „Frische Impulse, neue Perspektiven und weiterentwickelte Formate prägen künftig die politische Talk-Landschaft auf PULS 4, ATV, und PULS 24“, heißt es in einer Einladung zu einer Präsentation Ende Jänner im Wiener Media Quarter Marx.
Seit der mehrheitlichen Übernahme des ProSiebenSAT.1-Konzerns durch die Berlusconi-Familien-Holding Media for Europe (MFE) im Herbst 2025 gehört auch dem österreichischen Tochterunternehmen der kritische Blick der heimischen Medienbranche.
Wie in Deutschland auch gibt es Bedenken hinsichtlich politischer Einflussnahme durch den neuen Eigentümer.
Dieser habe sich zu lokalem Content und News sowie der Unabhängigkeit der Information und den Redaktionsleitlinien in Österreich bekannt, wurde aber hierzulande versichert.
Wechsel an der Führungsspitze
Die Führungsriege wurde bislang nur in Deutschland ausgetauscht. Markus Breitenecker, der viele Jahre ProSiebenSat.1Puls4 geführt hatte, legt seine erst 2024 beim deutschen Mutterkonzern angetretene Position als COO von sich aus zurück.
MFE hält nach einem Übernahmeangebot im Vorjahr derzeit gut 75 Prozent am ProSiebenSat.1-Konzern, wozu in Österreich die Sender ATV, ATVII, Puls4 und Puls24 gehören. Die Streaming-Plattform Joyn wird als digitales Zugpferd für den Konzern positioniert.
Der Fokus liegt auf dem Kerngeschäft Entertainment, Beteiligungen (etwa Flaconi, Jochen Schweizer mydays oder Parship) sollen möglichst schnell verkauft werden. Ein weiterer Jobabbau soll aber vorerst verhindert werden, hieß es.
Ausstieg von Großaktionär PPF
Ziel sei der Aufbau eines „großen europäischen Medien- und Entertainment-Champions“, wie der von Mailand entsandte neue Chef von ProSiebenSat.1, Marco Giordani, schon im Oktober erklärte.
Eine Strategie, die der milliardenschwere tschechische Mischkonzern PPF, lange selbst Großaktionär bei P7S1, nicht überzeugend fand und ausstieg. MFE ist neben Italien und Deutschland auch in den Märkten Spanien und Portugal vertreten.
Source:: Kurier.at – Kultur



