
Der Jänner gilt oft als die Zeit des Verzichts. Neujahrsvorsätze dominieren bei vielen Lebensstil und Ernährung. Hoch im Kurs ist der Verzicht auf Fleisch und andere tierische Lebensmittel. Der Trend nennt sich „Veganuary“, ein englisches Kofferwort aus den Wörtern „vegan“ und „January“ (Jänner).
Nachfrage nach Tofu und Soja steigt
Auch im heimischen Lebensmittelhandel nimmt die Nachfrage nach Tofu, Soja-Schnitzel und veganem Käseersatz im Jänner zu. Das bestätigt Verena Wiederkehr, zuständig für den pflanzlichen Bereich bei Billa, dem KURIER: „Wir bemerken im Jänner eine stärkere Nachfrage. Das liegt auch an den Sonderangeboten in diesem Zeitraum.“ Denn der Preis ist Studien zufolge die größte Hürde für den Erstkauf einer pflanzlichen Alternative zu Fleisch, Milch oder Käse. Ist ein veganes Ersatzprodukt einmal im Einkaufswagen gelandet, entscheidet der Geschmack, ob es auch erneut gekauft wird.
Anderswo ist der Trend schon wieder abgeflacht
Auch abseits des „Veganuary“ werden pflanzliche Lebensmittel hierzulande immer beliebter – und das während der vegane Trend in anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien bereits abgeflacht ist. Laut der Rollierenden Agrarmarkt-Analyse der AMA-Marketing setzten die heimischen Lebensmittelhändler im ersten Halbjahr 2025 mehr als 62 Millionen Euro mit veganem Fleisch- und Milchersatz um. Das ist ein Plus von 6,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum.
Hoch verarbeitete Produkte sind weniger beliebt
Bei den Milchalternativen stieg der Absatz fast um ein Fünftel. Mittlerweile stammt jede zehnte Packung, die gekauft wird, nicht mehr von der Kuh, sondern besteht etwa aus Soja, Hafer oder Mandeln. Beim Fleischersatz wachsen vor allem wenig verarbeitete Produkte aus Tofu oder Tempeh (ein Block aus fermentierten Sojabohnen). Die Nachfrage nach hoch verarbeitetem Fleischersatz wie Wurst oder Fertiggerichte wiederum stagniert.
Hintergrund sei ein wachsender Gesundheitstrend, sagt Claire Fahnenstich, Sprecherin von New Originals, dem europaweit größtem Tofu-Produzenten mit Sitz in Wien. Zudem würden viele vegane Convenience-Produkte aus dem Ausland stammen, während die „traditionelle Käufergruppe des Segments lokale Produkte bevorzugt“.
Vegane Eigenmarken dominieren die Supermarktregale
Neben internationalen Anbietern dominieren in den Supermarktregalen die Handelseigenmarken das pflanzliche Segment. Während ihr Anteil über alle Lebensmittelgruppen gerechnet bei rund 40 Prozent liegt, dürfte er im veganen Bereich „deutlich höher“ sein, schätzt Fahnenstich.
Bei Billa, Spar und Lidl wachse das pflanzliche Eigenmarken-Angebot stetig, wie die Ketten mitteilen. Bei Hofer liege der Umsatzanteil des veganen Sortiments im Jänner um rund 15 Prozent höher als in den restlichen Monaten. Der Trend flache ab Februar bis zum Start der Fastenzeit wieder ab, heißt es seitens des Diskonters.
Größte Käufergruppe sind Flexitarier
Mit ihren Angeboten wollen die Lebensmittelhändler nicht nur Veganer und Vegetarier ansprechen, sondern auch die Flexitarier. Diese ernähren sich vorrangig pflanzlich und konsumieren tierische Produkte bewusst nur in Maßen. Sie sind die größte Zielgruppe: Dreiviertel der Käufer von veganen Ersatzprodukten würden laut Wiederkehr auch Fleisch essen. Überhaupt ernähren sich nur rund 14 Prozent der heimischen Bevölkerung vegetarisch oder vegan. Bei den Unter-25-Jährigen ist diese Zahl in etwa doppelt so hoch.
Verbot für Veggie-Burger kritisiert
„Da sieht man, wo die Reise hingeht. Pflanzliche Ernährung ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft“, so Wiederkehr. Diese würde sich auch nicht vom Bezeichnungsverbot für „Veggie-Burger“ oder „Soja-Schnitzel“ aufhalten lassen, wie …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



