Iran: Schah-Sohn ruft zu weitergehenden Protesten auf

Politik

Die Massenproteste im Iran halten trotz wachsender Todeszahlen, exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats und einer nahezu vollständigen Internetsperre weiterhin an. 

Laut der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation HRANA wurden mittlerweile mehr als 500 Menschen getötet und über 10.600 festgenommen. Unbestätigte Berichte deuteten aber auf eine deutlich höhere Opferzahl hin, einigen Quellen zufolge gebe es bereits mehr als 2.000 Todesopfer.

Aktivisten zufolge weiteten sich die Demonstrationen unterdessen auf 185 Städte aus. Außerdem tauchten Videoaufnahmen auf, die Dutzende Leichen vor einer Leichenhalle südlich der Hauptstadt Teheran zeigen. Das von der Nachrichtenagentur AFP verifizierte Video, das am Samstag erstmals online veröffentlicht wurde, wurde in Kahrisak aufgenommen. Es zeigt in schwarze Säcke gehüllte Leichen, die auf dem Boden liegen. Es sind auch Menschen zu sehen, die offenbar nach ihren vermissten Angehörigen suchen.

Nach Angaben der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) sind auf den Aufnahmen „eine große Anzahl von Menschen, die bei den landesweiten Protesten im Iran getötet wurden“. Die ebenfalls in Norwegen ansässige Menschenrechtsgruppe Hengaw erklärte, die Echtheit des Videos selbst überprüft zu haben. Die Dutzenden „blutüberströmten Leichen innerhalb und außerhalb der Leichenhalle von Kahrisak“ seien Beleg für ein „schweres Verbrechen von beträchtlichem Ausmaß“.

Schah-Sohn ruft zu weitergehenden Protesten im Iran auf

Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, rief indes in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung im Iran zur nächsten Phase des Aufstands auf, „um die Islamische Republik zu stürzen“. Neben der Besetzung zentraler Straßen in den Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die Propaganda der Staatsführung und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, „legitime Ziele“, erklärte er auf der Plattform X. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, ob und in welchem Ausmaß Menschen im Iran seine Forderungen überhaupt zu sehen bekommen.

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Pahlavi rief zudem dazu auf, außerhalb des Irans an allen iranischen Botschaften und Konsulaten die „schändliche Flagge der Islamischen Republik“ gegen die alte Flagge auszutauschen, die zuletzt während der Herrschaft seines Vaters Schah Mohammed Reza Pahlavi genutzt worden war. Dessen prowestliche Monarchie wurde 1979 durch eine islamische Revolution gestürzt. Der Schah verließ das Land mit seiner Familie und starb im Ausland.

UN-Generalsekretär schockiert über Gewalt gegen Demonstranten

UN-Generalsekretär António Guterres appellierte an die iranischen Behörden, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung müsse uneingeschränkt geachtet werden, schrieb Guterres auf der Plattform X. Er sei „schockiert“ angesichts der Berichte über Gewalt gegen Demonstranten, die in den vergangenen Tagen zu Todesfällen geführt hätte. Er forderte „maximale Zurückhaltung“ der Sicherheitskräfte.

Außerdem forderte Guterres, den Menschen im Land wieder den Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Iranische Sicherheitsbehörden haben die Kommunikation im Land durch Internetsperren und blockierte Telefonleitungen stark eingeschränkt. So soll unter anderem der Kontakt zwischen Demonstranten verhindert werden.

Teheran droht mit Vergeltung

Nach wiederholten Warnungen von US-Präsident Donald Trump drohte Parlamentspräsident Mohammed Baqer Qalibaf mit Vergeltung. Der iranische Präsident Massoud Pezeshkian warnte „Aufrührer“ vor weiteren Demonstrationen. Es könne nicht zugelassen werden, dass „Aufrührer die Gesellschaft destabilisieren“, sagte Pezeshkian in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview. Die Bevölkerung rief er auf, „Vertrauen in unseren Willen zur Durchsetzung der Gerechtigkeit“ zu haben.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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