Ruth Brauer-Kvam: „Kein Faschist lacht über sich selbst“

Kultur
Rabenhof Theater / PENSION SCHÖLLER
Ein musikalisches Lustspiel

Ruth Brauer-Kvam inszeniert im Rabenhof den Komödienklassiker „Pension Schöller“. Als musikalisches Lustspiel (Arrangements: Kyrre Kvam) ist die Posse um eine vermeintliche Nervenheilanstalt ab Mittwoch im Gemeindebau in Erdberg zu sehen. Mit einem vertrauten Team – dem Ensemble von „Luziwuzi“. Ohne Tom Neuwirth – aber auch an einem neuen Projekt mit ihm wird bereits getüftelt. Vorab sprach das kreative Duo mit dem KURIER über guten und schlechten Wahnsinn.

KURIER: Viele erinnern sich an den im „Wurlitzer“ oft gespielten Ausschnitt, in dem Maxi Böhm mit dem berühmten Sprachfehler von der „Pension Schönner“ spricht. Sind Sie auch damit aufgewachsen?

Ruth Brauer-Kvam: Ja, total.

Aber das ist lange her. Wie kann man dieses Stück ins Heute holen?

Brauer-Kvam: Fabian Pfleger, der das umgeschrieben hat, und wir beide haben die Grundsituation toll gefunden, dass man einer Person sagt, die sind alle verrückt, du bist jetzt in einer Nervenheilanstalt. Und dass man, in dem Moment, wo diese Information in einen gesetzt ist, nur noch durch diese Brille sieht. Also Fake News eigentlich. Fabian hat viel umgeschrieben, denn die Witze, über die wir damals gelacht haben, gehen heute natürlich nicht mehr. Nicht nur aus politisch korrekten Gründen. Der Humor entwickelt sich. Und das war für uns auch so interessant: Zu sehen, über was lachen wir heute, und über was haben sie damals gelacht.

Wie kam es dazu, dass nun der Rabenhof selbst eine wichtige Rolle spielt?

Brauer-Kvam: Es gibt ja drei Verfilmungen, und es gibt eine mit dem wunderbaren Helmuth Lohner, in der Anton, der Neffe, Musiker ist und unbedingt einen Club kaufen will. Und das passt wieder gut zum Rabenhof. Unser Anton, der wunderbare Robert Slivovsky, will den Rabenhof kaufen. Deswegen braucht er die Kohle. Er kommt da rein und da sind diese skurrilen Gestalten. Und die Tante ist selber auch wahnsinnig skurril. Wir sind ja alle skurril. Und Kyrre – er spielt den besten Freund von Anton – beendet das Ganze mit einem wunderbaren Satz: Müssen wir heutzutage nicht alle ein bisschen mehr meschugge werden, um nicht ganz verrückt zu sein? Wir brauchen alle ein bisschen mehr Mut zur Verrücktheit, zum Humor, zur Schrägheit, zur Schrulligkeit. Wir müssen zu unseren Neurosen stehen und sie zelebrieren, weil die Welt im Moment so verrückt ist.

  Opernchef Herheim: "Das ist mit unserem kulturpolitischen Auftrag unvereinbar"

Kyrre Kvam: Und uns selber nicht zu ernst nehmen.

Brauer-Kvam: Genau. Denn ich glaube, kein Faschist lacht über sich selber. In dem Moment, in dem wir imstande sind, über uns selber zu lachen, sind wir auf dem richtigen Weg.

Durch die Weltlage und manche Politiker ist „Wahnsinn“ heute besonders negativ konnotiert: Kommt so ein Stück vielleicht gerade recht, um das gerade zu rücken?

Brauer-Kvam: Ich glaube das wirklich. So wie die Griechen ihre Kranken in die Komödie geschleppt haben, damit sie gesund werden. Ich glaube, dass wir das ganz stark brauchen, dass wir uns schütteln vor Lachen in der Gemeinschaft. Und das heilt.

Es ist auch eine Abwechslung in einer Zeit, in der alles bis zum Song Contest politisch aufgeladen ist, wenn es einmal nicht so ist …

Brauer-Kvam: Ja, und ich finde trotzdem, dass Humor wahnsinnig politisch ist. Weil, wie gesagt, bei den …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.