Booker Prize: Reden? Lieber nicht.

Kultur
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Er redet nicht viel, er spürt. Wie und was genau, das weiß er vielleicht selbst nicht. Das häufigste unter den wenigen Worten, die er verliert, ist „okay“. István wächst in einer ungarischen Plattenbausiedlung auf. Kaum 15-jährig, beginnt der ungelenke Bursch eine Affäre mit der dreimal so alten Nachbarin. Von Liebe kann keine Rede sein, eher von Manipulation. Die erste große Schramme in diesem jungen Leben, weitere lassen nicht auf sich warten.

Auf einen Unfall mit schwerwiegenden Konsequenzen folgt ein Gefängnisaufenthalt, danach ein nicht verarbeitetes Kriegstrauma. István lässt sich als Berufssoldat verpflichten, erlebt bei einem Auslandseinsatz im Irak den Tod seines Kameraden aus nächster Nähe. Als er das Heer verlässt, bedauern das seine Vorgesetzten: Er war ein gehorsamer, ein schweigsamer Soldat. Ein guter Soldat. 

Diese Eigenschaften sind es auch, die seinen Weg in London, wohin er auswandert, fördern. Er schlägt sich als Türsteher durch, bevor er Chauffeur eines reichen Mannes und bald zum Liebhaber von dessen Gattin  wird. Und bald selbst  Millionär. Ein Ereignis folgt  dem anderen, Schlag auf Schlag.  Er wird alles erreichen. Und alles wieder verlieren. Innenschau gibt es keine und trotzdem, oder gerade deshalb   wühlt dieses Buch  so auf. Auch sprachlich ist es knapp gehalten, weder der Erzähler noch sein Protagonist sind geschwätzig. In vieler Hinsicht erinnert  David Szalays „Was nicht gesagt werden kann“ an Albert Camus. Die ersten Sätze aus dessen Roman „Der Fremde“  lauten: „Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht.“ Sätze, die von István stammen könnten.

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Cover

David Szalay:
„Was nicht gesagt werden kann“
Claassen-Verlag.
384 Seiten.
26,95 Euro

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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