
Zwei Stunden vor Mitternacht ist das Strauss-Jahr 2025 von Intendant Roland Geyer am Mittwochabend im Theater an der Wien offiziell für beendet erklärt worden. Mit dem Sektglas in der Hand mischte er sich im Schlussapplaus unter die Mitwirkenden des „By(e) Strauss“ betitelten Finales und erklärte: „Ganz ohne Strauss wird es auch 2026 nicht gehen. Aber sicher nicht mehr mit so viel Strauss.“
Zweieinhalb Stunden lang wurden beim Abschlussabend nicht nur von Moderator Nikolaus Habjan und seiner Puppe, dem Musik- und Theaterwissenschafter Julius Bienenzeisel, die Höhepunkte dieses intensiven Strauss-Jahres („Mancher konnte bereits im März nicht mehr den Dreiviertel-Takt hören, ohne ins Wanken zu geraten.“) Revue passieren gelassen. Auch in das Programm floss so manche Auftragsarbeit in leicht veränderter Form ein. Vor allem ließ die umstrittene Zirkusshow „Caligostro“ im zweiten Teil unter der Stabführung von Johnny Bertl von sich hören.
Ouvertüren-Madley
Doch vor der Pause widmete sich das Wiener KammerOrchester unter Christoph Huber dem originalen Strauss. Nach einem fulminanten Medley durch die Ouvertüren aller 13 im Theater an der Wien uraufgeführten Strauss-Operetten wurden von Sopranistin Miriam Kutrowatz und dem für den erkrankten Max Emanuel Cencic kurzfristig eingesprungenen Countertenor Ray Chenez u.a. Lieder aus „Die Fledermaus“ zum Besten gegeben. Zum umjubelten Höhepunkt vor der Pause wurde aber die von Habjan mit Orchesterbegleitung gepfiffene Tritsch-Tratsch-Polka.
Martina Draper
Das Motto wechselte von „By Strauss“ zu „Bye Strauss“ und damit zu freien Bearbeitungen. Ankathie Koi startete mit George Gershwins Verbeugung vor dem Walzer-Genie, die durch den Filmklassiker „An American in Paris“ (1951) bekannt wurde. Georg Breinschmid und The Flying Schnörtzenbrekkers zerlegten in musikkabarettistischer Manier die Ouvertüre zu „Der Zigeunerbaron“, und Martin Grubinger zog mit seinem Percussive Planet Ensemble das Publikum mit einer dynamischen Strauss-Bearbeitung in den Bann, die Martin Grubinger Senior als Auftragsarbeit des Strauss-Jahres komponiert hatte, und die am 200. Geburtstag von Johann Strauss uraufgeführt worden war.
Martina Draper“Oh Johann Strauss, das Jahr ist aus!“
Dann übernahm Johnny Bertl mit seiner Band das Kommando, ermöglichte es dem Liedermacher Felix Kramer, mit „Wiener Blut“ in Falcos Fußstapfen zu treten und bot Josef Ellers und Sophia Gorgi Gelegenheit, Konzertversionen erfolgreicher „Caligostro“-Nummern zu singen.
Ehe eine Grubinger-Bearbeitung der „Donner und Blitz“-Polka das Finale bildete, schloss sich der Strauss-Jahreskreis mit der Grubinger’schen Fassung des Donauwalzers, die am 1. Jänner am Wiener Rathausplatz erstmals aufgeführt worden war. Diesmal gab es einen neuen Text dazu, verfasst von Sebastian Radon („Wiener Blond“). „Oh Johann Strauss, das Jahr ist aus! / Ich fühl mich wie a oide Fledermaus“, wurde da gesungen. „Unsterblich ist / Was du bist / Auf die nächsten zweihundert Jahr / Machs gut, Schani, baba / Tschüss! / Ciao! / Bye, Bye Strauss“.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
Source:: Kurier.at – Kultur



