
Ein „Operetten-Pasticcio“ im Musikverein mit einer überraschenden Zugabe.
Die beste Nachricht zuerst. Franz Welser-Möst ist nach seiner Erkrankung wieder ins musikalische Geschehen zurückgekehrt. Mit den Wiener Philharmonikern gestaltete er eine denkwürdige Hommage anlässlich 200 Jahre Johann Strauss Sohn.
Dieses „Operetten-Pasticcio“ mit Auszügen aus bekannten und heute selten aufgeführten Werken des Jubilars demonstrierte, dass diese Musik keine musikalischen Entstaubungen, Entkitschungen oder Dekonstruktionen braucht, wenn sie von echten Könnern aufgeführt wird. Als Christiane Karg mit ihrem klaren Sopran mit Maximilian Schmitt im Duett der Saffi und des Barinkay („Zigeunerbaron“) die Liebe besingt, möchte man das auf den Klang der Wiener Philharmoniker ummünzen. Denn der ist eine Himmelsmacht.
Feinst ausformulierte Melodien, Marschrhythmen, die zartfühlend in schwebende Walzer übergehen, ein Changieren zwischen Frohsinn und Sehnsucht mit einem Hauch von Melancholie, das ist Johann Strauss Sohn. So spielen nur die Wiener Philharmoniker diese Musik. Immer wieder ließen einzigartige Momente aufhorchen. Besonders hervorzuheben, die Holzbläser, die famose Solo-Oboe und Daniel Ottensamers virtuoses Klarinetten-Solo („Indigo und die vierzig Räuber“). Ein brillantes Konzertmeister-Solo von Volkhard Steude im Dialog mit der Soloflöte („Die Göttin der Vernunft“).
Die Sängersolisten, auch Mauro Peter, sind in der Operette nicht zu Hause, aber sie intonierten wortdeutlich und elegant. Bei den Zugaben überraschte Welser-Möst das Publikum mit der Aufforderung, bei diesem „Radetzkymarsch“ nicht mitzuklatschen, sondern hinzuhören, denn gespielt wurde die Fassung des Jubilars und nicht die gängige des Vaters. Ovationen.
Source:: Kurier.at – Kultur