
Paul Poets Doku über Transfrau Monika Donner: „Der Soldat Monika“.
Gestaltenwandler sind jene fiktiven Wesen in Fantasy und Science-Fiction, die beliebig ihre Form verändern können. Diese Bezeichnung würde auch auf seine Hauptfigur Monika Donner zutreffen, so der österreichische Regisseur Paul Poet über die Protagonistin seiner neuen Doku „Der Soldat Monika“, die im Rahmen der Diagonale gezeigt wurde.
Eigentlich wollte er einen Film über den Rechtsruck machen, erzählt Poet bei der Premiere in Graz seinem Publikum: Doch daraus sei eine Arbeit über „die Schizophrenie unserer Zeit“ geworden. Vier Jahre lang hat er an dem Porträt über die in Linz geborene ehemalige Soldatin, Ministerialbeamtin, Militärstrategin, Anarchistin, zuerst linke Queer- und dann rechte Coronaaktivistin Monika Donner gearbeitet.
Donner versteht sich als Transfrau und erwirkte vor dem Verfassungsgerichtshof die Korrektur ihres Geschlechts im Geburtenbuch ohne verpflichtende geschlechtsangleichende Operation. Diese Durchschlagskraft machte sie zur gefeierten queeren Aktivistin, was sich aber änderte, als Donner mit Corona-Leugnung und Nazi-Verharmlosung auffiel und als Star im rechtsradikalen Lager gefeiert wurde.
Nicht nur beginnt der Film mit einem Hitler-Gedicht, das die Protagonistin zitiert; auch sieht man, wie Donner mit dem verurteilten Neonazi Gottfried Küssel und einem weiteren Rechtsradikalen freundlich bei einer Radioaufnahme plaudert und auch sonst in rechtsradikalen Medien ihre Ansichten zur „Coronadiktatur“ verbreitet.
Mähne und Mini-Rock
Gleichzeitig beteuert sie aber immer wieder das Recht auf individuelle Freiheit und den Schutz von Minderheiten. In dem Versuch, seiner facettenreichen Protagonistin gerecht zu werden, setzt Poet sein Personenporträt aus unterschiedlichen Versatzstücken zusammen: Inszenierte Spielfilmszenen changieren mit dokumentarischen Beobachtungen und Animationssequenzen. Auch sehr theatrale Momente kommen zum Einsatz, etwa, wenn Donner mit wehender Mähne, Minirock und langen roten Fingernägeln ein Schwert schwingt und dabei wirkt wie eine Wikingerin auf dem Weg nach Walhalla.
Um ihre persönliche Lebensgeschichte aufzuarbeiten, lud Poet seine Protagonistin dazu ein, mithilfe von Schauspielern wichtige Stationen durchzuspielen.
So liegt Roland Düringer als Donners sterbender Vater bleich im Krankenhausbett. Maria Hofstätter redet als Donners Mutter mit ihr über den prügelnden Vater.
Donner ist eine begnadete Selbstdarstellerin, die nichts lieber tut als über sich zu reden. Eloquent greift sie die Kritik an ihren Haltungen auf und fügt sie als weiteres Merkmal ihrer schillernden Persönlichkeit zu. An manchen Stellen aber zeigen sich die Sprünge im polierten Selbstbild. Zu den besten Szenen gehört die Konfrontation mit Michael Thomas, der Donners Ex-Militärvorgesetzten verkörpert und sie mit brachialer Kameraderie aus der Fassung bringt.
Die „Gestaltenwandlerin“ Monika Donner ist schwer zu fassen in ihrer Sinnbildhaftigkeit für unsere Gegenwart, in der extreme politische Positionen in unheiliger Allianz zueinander finden. Und tatsächlich kam es auch zu massiven Meinungsverschiedenheiten, die zu längeren Drehpausen geführt haben, wie Schauspielerin Sarah Zaharanski im Publikumsgespräch erzählt. Nicht alles ist Paul Poet in seiner Doku gelungen, aber eines – apropos Walhalla – auf jeden Fall: Seine Doku ist ein wilder Ritt – durch Filmgenres, Polit-Positionen und persönliche Befindlichkeiten.
Source:: Kurier.at – Kultur