
Sehr geehrtes Kulturamt!
Na das wird ja ein Klassik-Jahr . . . Andrea Bocelli singt im August im Happel-Stadion. Und soeben habe ich mitbekommen, dass Plácido Domingo, einer meiner Götter, die mir sogar das Telefonbuch vorsingen könnten, nicht nur am 18. Jänner im Wiener Konzerthaus, sondern auch im Juni beim Summer-Opening in Schladming auftritt. Nach den Schlagersängern Roland Kaiser und Rainhard Fendrich. Die Opernwelt steht nimmt mehr lang! Ich finde, das schadet der gesamten Branche. Daher beantrage ich bei Ihnen, dass solche Auftritte von berühmten Opernsängern fortan nicht mehr genehmigt werden mögen.
Mit empörten Grüßen, K. W.
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Sehr geehrte K. W.,
herzlichen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 02/2026). Wir müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass weder bezüglich des von Ihnen erwähnten Auftrittes von Herrn Bocelli, noch jenes von Herrn Kammersänger Domingo in Schladming Einreichungen für ein Genehmigungsverfahren an uns herangetragen wurden – vermutlich weil es sich um rein private Veranstaltungen handelt. Selbst wenn wir inhaltlich geneigt wären, Ihrem Antrag Folge zu leisten, müssten wir ihn also mangels Zuständigkeit ablehnen.
Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang auch an Fernsehbilder, die zeigten, wie Herr Bocelli kürzlich für Herrn Trump „Time to Say Goodbye“ sang – auch da wurden wir weder vorab gefragt, noch hielt sich der US-Präsident unseres Wissens nach an diese Aufforderung. Wozu also das Ganze?
Jedenfalls haben wir eine Sondersitzung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einberufen, um zu eruieren, wie wir grundsätzlich dazu stehen, dass Herr Domingo bei solchen Open-Airs auf der Bühne steht. Und es kam mehrfach der Hinweis darauf, dass es solche Konzerte von ehemals großen Künstlern immer wieder gab. Wir wollen nicht unterstellen, dass der Karrierestatus bzw. die hilfreiche Mikrofonierung ausschlaggebend dafür seien. Vielmehr sind wir geneigt, Positives darin zu sehen, wenn einstige Spitzensänger (und gerade Domingo war für den Leiter des Kulturamtes ein Gigant) im Winter ihrer Karriere solche Wege gehen, um neue Zielgruppen und Einnahmen zu lukrieren und dabei vermitteln, wie wunderbar die Welt der Oper sein könnte.
Vielleicht ist also Domingo mit einem solchen Konzert ehrlicher und realitätsnäher als Operntheater, die sich nach wie vor als geschlossene Burgen verstehen. Nicht dass wir der Kommerzialisierung das Wort reden wollen. Aber letztlich werden so zumindest einige Menschen daran erinnert, dass es Opernhäuser gibt.
Source:: Kurier.at – Kultur



