Festspiele Reichenau: Die letzten Tage zwischen Krieg und Frieden

Kultur

In „Die letzten Tage“ (2025) berichtet Martin Prinz auf Basis von Gerichtsakten, wie im April 1945 – kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Rote Armee bereits in Reichenau war – noch Todesurteile verhängt und vollstreckt wurden. Unter den Opfern waren auch die Enkelinnen von Olga Waissnix, einer Muse Arthur Schnitzlers. Die Täter zeigten weder Einsicht noch Bedauern.

Maria Happel bringt den Roman, „vom Autor selbst für die Bühne adaptiert“, zur Uraufführung. Am 12. Juli um 11 Uhr im Großen Saal des Reichenauer Theaters. Einen sinnträchtigeren Ort hätte die Intendantin kaum finden können. Denn das „Reichenauer Theater- und Konzerthaus“, am 1. August 1926 eröffnet, war zuvor eine Holzschleiferei der Familie Waissnix gewesen.

Das 100-Jahr-Jubiläum begeht Maria Happel also mit einem „sehr dunklen Kapitel“ der Geschichte. Aber nicht nur. Denn damals wurde „Die Fledermaus“ gegeben – und daran erinnert sie mit ihrer Auftaktproduktion im fünften Jahr ihrer Intendanz am 1. Juli: Nils Strunk und Lukas Schrenk – ein kongeniales Duo, wenn es darum geht, bekannte Stoffe neu zu interpretieren – erzählen von einer „Fledermaus“-Produktion in Wien des Jahres 1926. Die Strauss-Melodien werden daher nur angeteasert: Strunk und Schrenk versprechen „eine große Sause“ mit viel Swing, Blues und Charleston, live dargebracht von einer Combo. Etliche Darsteller aus dem Dunstkreis des Bronski & Grünberg bzw. der tollen Volksopernproduktion „Killing Carmen“ feiern Party im Palais Orlofsky, darunter Julia Edtmeier, Anton Zetterholm und Jakob Semotan.

Affolter als Dirne

Tags darauf, am 2. Juni, folgt das einzige echte Theaterstück des Festivals 2026: Das Burgtheaterehepaar Alexandra Henkel und Dietmar König realisiert u. a. zusammen mit Therese Affolter (als Dirne), Stefanie Dvorak (als Schauspielerin) und Stefan Jürgens (als Graf) Schnitzlers Techtelmechtel-„Reigen“.

  Deadline läuft ab: Trump will Dokumente von Smithsonian-Museen

Im Premieren-Stakkato (wieder fünf in fünf Tagen) geht es weiter – am Semmering. „Noch einmal“ , so Happel am Montag bei der Programmpräsentation, dürfen die Festspiele das Südbahnhotel bespielen. Und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner verlieh ihrer Freude Ausdruck, wenn dieses danach endlich renoviert würde. Investor (und Reichenau-Sponsor) Christian Zeller ist sich aber bereits sicher, dass die Bauarbeiten nicht vor dem Herbst 2027 beginnen werden. Nicolaus Hagg ist sogar „glücklich“ über den Zustand. Weil das ramponierte Südbahnhotel eine tolle Kulisse abgibt – heuer für seine Leo-Tolstoi-Dramatisierung „Krieg und Frieden“ (u. a. mit Tim Werths und Martin Schwab).

Und dann folgen noch die Dramatisierungen von Joseph Roths „Die Legende vom heiligen Trinker“ (ab 4. Juli mit Joseph Lorenz) und Stefan Zweigs Novelle „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ (ab 5. Juli mit Julia Stemberger). Insgesamt gibt es 130 Vorstellungen, aufgelegt werden 41.000 Karten (um 7 bis 8 % teurer als 2025), das Land Niederösterreich steuert 1,6 Millionen Euro zum 4,7-Millionen-Budget bei.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 2 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.