
Eine Pariser Schullehrerin wird in der Provinz geschickt, um die Kinder der Bauernfamilien zu unterrichten. Dort stößt sie auf Widerstand
Von Gabriele Flossmann
Der Film spielt Frankreich, Ende des 19. Jahrhunderts und erinnert an die Gegenwart – nicht nur in Österreich. Sind es heute Migranten-Kinder, die der Unterrichtssprache des Gastlandes nicht oder nur schwer folgen können, so erzählt dieser Film von nicht minder großen Verständnisschwierigkeiten zwischen Stadt und Land.
Eine Lehrerin aus Paris wird in ein kleines Dorf geschickt, um dort eine Schule zu eröffnen. Denn auch Kinder aus Bauernfamilien sollen lesen und schreiben lernen. So will es das Gesetz. Doch das Landleben sieht anders aus: Die Kinder werden als Erntehelfer gebraucht, um das Überleben ihrer Familien zu sichern. Deshalb stößt die junge Lehrerin mit ihren Bildungsidealen zunächst auf Skepsis und Unverständnis.
Ihrem Bildungsauftrag im Weg steht auch der raubeinige Bürgermeister, der nicht um ihre Anwesenheit gebeten hat. Damit sie als Lehrerin doch auch „irgendwie nützlich“ sein kann, beschäftigt er sie nebenbei auch als Sekretärin, Totengräberin und Kirchendienerin. Die provisorisch eingerichtete Schule bleibt deshalb eine zermürbende Weile leer. Bis ein Dorfbewohner – ein alleinerziehender junger Vater – mit gutem Beispiel vorangeht: Er will als erster Erwachsener im Dorf Lesen und Schreiben lernen. Dabei hat er auch romantische Hintergedanken, denn die Frau Lehrerin ist – das muss er zugeben – mehr als nur nett anzuschauen.
Bei ihren Bemühungen, sich in ihrem neuen Leben zu etablieren, hilft der Lehrerin – mehr noch als ihr Verhandlungsgeschick – ihre Trinkfestigkeit. Damit nötigt sie den Dorfbewohnern Respekt ab. Ihr Einsatz als Hebamme bricht den Bann endgültig.
Filmladen
Alexandra Lamy in „Luise und die Schule der Freiheit“
Wie sich in einer humorvollen Nebenhandlung herausstellt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich auch das Briefgeheimnis in die Grundrechte aufgenommen, allerdings sehen sich die Postboten fern der Hauptstadt Paris immer noch im Recht, alle Briefe zuerst selbst zu lesen. Das muss auch die junge Lehrerin erfahren. Ihre Briefe werden vom Briefträger nicht nur gelesen, sondern auch ausplaudert.
Der Film zeigt sehr anschaulich, wie in einer kleinen Welt unterschiedliche Lebensanschauungen aufeinanderprallen – hier die konservative, in religiösen Traditionen verwurzelte Dorfgemeinschaft, dort der Fortschrittsglaube – wonach Bildung das Dasein aller Menschen tiefgreifend verändern kann. Gut gespielt und mit durchaus bewegenden und lehrreichen Momenten, kommt der Film aber etwas zu betulich daher.
INFO: Louise und die Schule der Freiheit. F 2024. 108 Min. Von Éric Besnard. Mit Alexandra Lamy, Grégory Gadebois.
Source:: Kurier.at – Kultur