Filmkritik zu „Sleep With Your Eyes Open“

Kultur

Eine junge Chinesin in Recife: Sanftes Drama mit leisem Humor über kulturelle Entfremdung von Nele Wohlatz

Von Gabriele Flossmann

Der Film greift das Grundthema der Vertreibung und Entfremdung von Migranten auf und konstruiert daraus eine eigenständige Erzählung. Er folgt den ineinander verflochtenen Geschichten von Xiao Xin, einer chinesischen Migrantin, die in Recife ankommt, um bei ihrer Tante zu leben und dort im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Sie begegnet dort Kai, einem Touristen, dem Trauriges widerfahren ist und der deshalb in der farbenfrohen Küstenstadt Trost sucht. Die beiden Hauptfiguren sind geprägt von Erfahrungen des Ausgeschlossenseins vom gesellschaftlichen Mainstream. Ihnen gemeinsam ist die Aura der Melancholie, die sie umgibt. 

Der Film geht auf die soziopolitischen Spannungen in den monolithischen Hochhäusern mit Meerblick ein, die das Küstenpanorama dominieren. Zwischen gelangweilten Touristen, die sich hier ihren Urlaub „was kosten“ lassen, einigen privilegierten, weil hier reich gewordenen asiatischen Einwanderern und den vom Schicksal weniger privilegierten Menschen, die hart arbeiten müssen, um überleben zu können. Die subtil und hintergründig zur Schau gestellten Ausdrucksformen von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit kollidieren bisweilen mit dem trockenen Humor, der diesem sanften Drama zugrunde liegt. 

Es ist klar, dass die Hauptstärken und das Interesse des Films in der sinnlichen Darstellung kultureller Entfremdung liegen. Die Erwähnungen wechselnder Düfte, der trostlosen städtischen Räume, das Summen und Dröhnen einer tropischen Metropole – all dies erscheint Xiao Xin und Kai fremd, doch gleichzeitig begreifen sie bald, dass der ferne(?) Ort, in den sie gemeinsam flüchten wollen, nicht auf sie wartet. Sie müssen mit dem rasanten Tempo des Fortschritts mithalten, um ihren Teil davon zu bekommen. Die von Schauspielern und Laien dargestellten Hauptfiguren kommen und gehen in dieser leisen Komödie der Missverständnisse. Auf mitreißende Weise.

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INFO: BR/AR/TW/DE 2024. 97 Min. Bon Nele Wohlatz. Mit Chen Xiao Xin, Wang Shin-Hong.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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