
Polit-Kritik an der ATV-Realityshow nach 15 Jahren. Quotenrenner ist aber extremer geworden.
15 Jahre hat es gedauert, bis die ATV-Realityshow „Das Geschäft mit der Liebe“ zum Politikum wurde. Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) kritisierte am Samstag „offenes Zurschaustellen sexueller Ausbeutung von Frauen“, dies habe „weder medial im TV noch sonst irgendwo in unserer Gesellschaft etwas zu suchen“. Er wolle das Gespräch mit der Geschäftsleitung suchen.
Die Frauensprecherinnen von SPÖ, ÖVP, Neos und Grüne forderten am Sonntag Konsequenzen. Und die gab es noch am selben Tag. ATV teilte mit, dass die fünfte Folge der elften Staffel, die kommenden Mittwoch ausgestrahlt werden sollte, nicht gezeigt werde. Das vorab auf dem Streamer Joyn verfügbare Material daraus hatte die heftige Kritik ausgelöst. In einer Szene war zu sehen, dass einer der jüngeren Protagonisten sich in vulgärer Sprache über die sexuelle Verfügbarkeit einer thailändischen Frau äußerte und einzelne Praktiken beschrieb. Auch war zu sehen, dass der Mann die offenbar alkoholisierte Frau huckepack davontragen wollte.
Qualitätskontrolle
„Da in der betreffenden Folge die Qualitätskontrolle versagt hat“, wurde „die Folge, sowie alle Clips daraus, offline genommen“, sagte ATV. Die noch nicht ausgestrahlten Folgen würden noch einmal geprüft, hieß es.
Kritik gab es von Anfang an. So forderte bereits im Jahr 2010 ein TV-Kritiker im Standard: „Das Geschäft mit der Liebe“ gehöre „aus dem Verkehr gezogen oder wenigstens weit nach Mitternacht verräumt. Einen ärgeren, menschenverachtenderen Mist hat man selten gesehen.“ In dem damals neuen Format sah man österreichische Männer – von heimischen Frauen enttäuscht –, die in osteuropäischen Ländern auf Brautschau gehen. Meistens wurde das zur Fleischbeschau. Dass die Annäherungsversuche patschert ausgeführt wurden und Orsolics, Nissel & Co. oft schlecht ausstiegen, bescherte dem Format einen gewissen (zweifelhaften) Kultstatus. Doch mit neuen Liebeswerbern und dem neuen Schauplatz Thailand scheinen die Grenzen mittlerweile immer öfter überschritten zu werden.
Gute Quoten
Das sah der offizielle Tiktok-Account von ATV offenbar schon am 12. März so: „So etwas ist sogar für uns Hartgesottene oag!“ Kommentiert wurde so ein Clip, in dem sich ein Protagonist nach exzessivem Alkoholkonsum vor einer Bar übergibt.
Das Format war zuletzt noch immer ein beträchtlicher Quotenerfolg. Die zehnte Staffel erzielte im Schnitt 153.000 Seherinnen und Seher (E12+) und 10,5 Prozent Marktanteil bei den 12- bis 49-Jährigen. Dies lag deutlich über dem Marktanteil von 3,9 Prozent, den ATV insgesamt im Vorjahr erreichte. tem
Source:: Kurier.at – Kultur