
Szenisch neu gedeutet, mit neuem deutschem Text und Titel wird am Landestheater „Die gerissene Füchsin“ gezeigt.
von Helmut Christian Mayer
Aus dem niedlichen deutschen Titel „Das schlaue Füchslein“ wird „Die gerissene Füchsin“ und auch sonst wird diese 1924 uraufgeführte Oper von Leoš Janáček jetzt am Landestheater Linz ganz anders gedeutet.
Dafür sorgt Peter Konwitschny, der schon von Anfang an keinerlei drolligputzige Stimmung aus der Tierwelt aufkommen lässt, sondern diese komplett ausklammert. Er lässt den geschilderten Lebensweg der kleinen Füchsin nur in der Menschenwelt spielen, was eine Unterscheidung zwischen Mensch und Tier unmöglich macht. Er will vielmehr gesellschaftliche Umgangsformen und Machtstrukturen auch zwischen Alt und Jung zeigen.
Reinhard Winkler
Der deutsche Alt-Regisseur lässt kein vom Komponisten eigentlich gewünschtes Naturgeschehen, keinen Wald zu, sondern zeigt ein sich stets drehendes, halbzerfallenes, schäbiges Gebäudeensemble mit einer umtriebigen Jugendgang mit Breakdancern, eine Prostituierte, die sich gleich einmal einen Schuss Heroin verpasst, in ärmlichen, hässlichen Kostümen (Ausstattung: Timo Dentler und Okarina Peter). Leider geht dadurch viel von den in der Oper reichlich vorhandenen, gewünschten Stimmungen und das Wesen der Fabel überhaupt verloren.
Stimmungen, die hingegen musikalisch reichlich vorhanden sind: Denn das Bruckner Orchester Linz unter dem souveränen Markus Poschner weiß die kühnen harmonischen Verbindungen der kunstvoll gearbeiteten Partitur mit ihrer sensiblen Instrumentation und charakteristischen Rhythmik wunderbar farbig, nuancenreich und sängerfreundlich zu verströmen.
Modernisiert
Gesungen wird gut, mehr oder minder verständlich in deutscher Sprache mit einem vom Regisseur neu kreierten, modernisierten nicht immer passenden Text. Und alle vorgesehenen Hosenrollen werden mit Männern besetzt: Carina Tybjerg Madsen verfügt als Füchsin über einen feinen, lyrischen Sopran. Adam Kim ist ein ungemein präsenter, kernig singender Förster, kostümiert in Uniform wie ein Ordnungshüter, der zum Finale fast ganz im Dunkeln sitzend paradoxerweise den nie vorhandenen Wald als herrlich besingt. Michael Wagner ist ein robuster, kraftvoller Haraschta, obwohl ein Landstreicher als einziger mit weißem Anzug elegant ausstaffiert. Seung Jick Kim singt den Fuchs, der eigentlich als Hosenrolle für einen Mezzo gedacht ist, wunderbar. Verlässlich: Dominik Nekel (Pfarrer), Christian Drescher (Schulmeister) sowie Manuela Leonhartsberger als Försterin. Die vielen kleineren Rollen sind durchaus adäquat besetzt. Ein Lob gilt dem Chor und dem ungemein lebendigen Kinder- und Jugendchor des Landestheaters.
Viel Applaus für die musikalische Seite, der für das Regieteam spärlicher ausfällt.
Source:: Kurier.at – Kultur