Konieczny an der Staatsoper: Jedes einzelne Lied ein Mikrokosmos

Kultur

Liederabend mit phänomenalem Gesang und selten gehörten Liedern.

Als Pizarro in Beethovens „Fidelio“ zeigte Tomasz Konieczny vor ein paar Wochen an der Wiener Staatsoper einen Bösewicht von Format. Seine Qualitäten als ausdrucksstarker Gestalter spielte er in einem Liederabend mit Lech Napierała in diesem Haus aus.

Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Phänomenal, wie er mit seinem Gesang die Nähe zum Publikum herstellt und das mit Liedern aus seiner polnischen Heimat, die man hier höchst selten hört.

Surrealer Auftakt

Zwei Buffo-Arien von Henryk Czyż geben einen surrealen Auftakt. „Doktor Paradeiser“ erzählt die Geschichte von einem Kohl, der sich von einer Tomate untersuchen lässt. Am Ende werden beide von der bösen Köchin verarbeitet. Sein Pianist, der ihm ein einfühlsamer Partner ist, spielt das Groteske pointiert aus.

Das Folgelied, „So schien es mir…“ erzählt von einem Liebhaber, der seines Begehrens überdrüssig wird.

Bei Stanisław Moniuszko führt Konieczny in die polnische Romantik. Ein betagtes Paar, das sich vor dem Tod ängstigt, ein alter Korporal, der sich dem Erschießungskommando stellt, und ein junger Kosak, der seinem Ende im Krieg entgegenblickt. Pure Beklemmung lässt er in den Liedern des Ukrainers Mykola Lyssenko spüren. Jedes einzelne Lied wird bei diesem Sänger zu einem Mikrokosmos.

Mit absoluter Wortdeutlichkeit intoniert er Wagners „Wesendonck-Lieder“ mit wohldosierter Expressivität und Tiefsinn. Er lässt spüren, wie es in diesem lyrischen Ich brodelt. Das Spektrum seines metallenen Timbres schöpft er dabei zur Gänze aus, färbt die Vokale.

Düster beschließt er mit Mussorgskis „Liedern und Tänzen des Todes“ und lässt ausdrucksvoll deren Unerbittlichkeit spüren. Ein wirkliches Geschenk die Zugaben: Richard Strauss“ „Zueignung“ und „Wotans Abschied“, der nur einen Wunsch offenlässt, diesen Sänger bald wieder im „Ring“ an der Staatsoper zu erleben. Ovationen! 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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