„Marathon“: Im Theater Scala wird ums Überleben getanzt

Kultur

Das Wiener Theater Scala zeigt in „Marathon – Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“ die grausame Realität der Vergnügungsindustrie in den 1930er Jahren.

Von Marie-Sarah Drugowitsch

Das Theater Scala verwandelt sich an diesem Abend in einen Retro-Tanzpalast und versetzt das Publikum zurück in die USA der Weltwirtschaftskrise von 1932. Kalifornien während der großen Depression, die Vergnügungsindustrie boomt – Tanzmarathons, bei denen Paare wochenlang für einen Geldpreis in Höhe eines Jahresgehalts im Kreis tanzen müssen, werden zum ultimativen Spektakel.

Das Stück „Marathon – Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“ in der Inszenierung von Bruno Max basiert auf dem gleichnamigen Roman von Horace McCoy und ist manchem vielleicht von Sydney Pollacks Verfilmung mit Jane Fonda bekannt.

Das Motto lautet: zwei Stunden Tanzen, zehn Minuten Pause, alle zehn Stunden zwei Stunden Schlaf, dafür gibt es Gratisessen und Unterkunft, solange man durchhält, wer länger als 10 Sekunden nicht tanzt, scheidet aus.

Bettina Frenzel/ Theater zum Fürchten

Sechs Paare tummeln sich auf der Tanzfläche, jedes mit eigenen Beweggründen für die Teilnahme, darunter Gloria (Anna Sophie Krenn) und Robert (Paul Barna), die durch Zufall zum Paar werden, weiters die schwangere Ruby (Teresa Renner) und ihr Mann James (Christopher Korkisch), die sich den Traum von einer eigenen kleinen Tankstelle erfüllen möchten. Alexander Rossi führt als verständnisloser und launiger Conferencier Rocky, der dem Publikum eine gute Show bieten will, humorvoll durch den Abend.

Das Spektakel mündet in einem traurigen Totentanz. Nach 446 Stunden wird der Wettbewerb durch Proteste der Frauenliga wegen moralischer Einwände abgebrochen, die verbliebenen Paare gehen mit einem lächerlichen Trostpreis von 20 Dollar und der zynischen Bemerkung des Moderators „vielleicht sieht man sich beim nächsten Tanzmarathon“ nach Hause. Auch dem Publikum wird der Spiegel vorgehalten und gezeigt, was in einer Gesellschaft ohne Solidarität passiert.

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Bis 12. April 2025, Di–Sa, jeweils um 19:45 Uhr, Theater Scala

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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