Nach Degardierung: Ex-Sportchef Aigelsreiter verlässt den ORF

Kultur

Es ist das Ende einer 35 Jahre währenden ORF-Karriere: Hannes Aigelsreiter, bis kurzem noch Sportchef und zuvor u. a. zehn Jahre Radio-Chefredakteur, hat den Öffentlich-Rechtlichen verlassen. Das erfuhr der KURIER aus ORF-Kreisen. 

Nach seiner Absetzung als Sportchef Ende Oktober durch Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz haben Gespräche mit dem 61-Jährigen also doch noch zu einer einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses geführt. Über die Details der Vereinbarung herrscht, wie in solchen Fällen üblich, auf beiden Seiten Stillschweigen.

Höchst unterschiedliche Sichtweisen

Schon davor war lange um eine für alle Seiten gesichtswahrende Lösung gerungen worden – erfolglos. Und so folgte eine (halb-)öffentliche Abrechnung: Aigelsreiter habe seine Verantwortung nicht wahrgenommen und wesentliche Maßnahmen und Konzepte weder erarbeitet noch umgesetzt, hieß es in einer Mitarbeiter-Information. Das betreffe Redaktion, Bugdet und Personal. 

„Über eine mangelnde und unzureichende Kommunikation habe nicht nur ich mich regelmäßig beschwert – auch die Redakteursvertretung und unterschiedliche Stakeholder:innen haben immer wieder bessere Bedingungen eingefordert“, formulierte Groiss-Horowitz.  

Der gebürtige Niederösterreicher, dem nicht zuletzt als langjährigen Radio-Innenpolitik-Chef gute Verbindungen in die (Landes-)Politik nachgesagt wurden, sah das gänzlich anders. 

In einem nicht, wie sonst üblich, vom ORF genehmigten Interview in der TT sah er damals noch eine „äußerst erfreuliche Entwicklung mit einem tollen multimedialen Sportteam“. Und: „Konstruktive Kritik halte ich für notwendig, denn sie bringt uns Lösungen und macht uns als Team besser.“ Konstruktiv ist nun die berufliche Scheidung, die Zeit der „weißen Elefanten“ ist im ORF also offenkundig vorbei. Der KURIER hat Aigelsreiter um eine Stellungnahme angefragt.

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Jetzt ist aber viel wahrscheinlicher geworden, was Aigelsreiter schon im Oktober hat anklingen lassen. In der TT räumte er bereits ein, dass er über eine Kandidatur als ORF-Generaldirektor und damit als Gegenkandidat zum amtierenden ORF-Chef Roland Weißmann im kommenden Sommer nachdenkt: „Ja, ich kann mir eine Bewerbung vorstellen.“ 

Eine reelle Chance dabei zeichnet sich jedenfalls bisher nicht ab, für Aufsehen und Ärger bei seinen bisherigen Chefs kann es jedenfalls reichen. Seinen Schreibtisch im ORF-Sport muss Aigelsreiter nun erstmal aber auch im buchstäblichen Sinn räumen. 

Volles Programm für den ORF-Sport

Dort hat man ohnehin einen anderen Fokus. Auf den multimedialen ORF-Sport mit etwa 100 Mitarbeitern kommen in den nächsten Wochen Top-Events des Wintersports zu: Kitzbühel mit Streif und Ganslernhang (23./24./25. Jänner), Schladming mit zwei Mal Nightrace (27./28. Jänner) und Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina, wovon der ORF täglich 25 Stunden live zeigt. Davor noch die Handball-EM mit dem Auftaktspiel gegen Deutschland am 15. Jänner und im Sommer die Fußball-WM, bei der der ORF diesmal die Hauptrechte hält. 

Geführt wird die Redaktion von einer interimistischen Leitung, der allseits zugestanden wird, dass sie weiß, was sie tut: Veronika Dragon-Berger, seit 2011 auch Koordinatorin von ORF-Sport+ und Martin Szerencsi, der routinierte Sportrechte-Verhandler des ORF. 

 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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