
Immer wieder hat sich die Autorin gegen Intoleranz und Vorurteile ausgesprochen.
Die bekannte österreichische Autorin Barbara Frischmuth ist tot. Sie starb nach Angaben ihres Verlags 83-jährig. Frischmuth hat sich in ihren Büchern intensiv mit anderen Kulturen und Ideologien auseinandergesetzt. Immer wieder hat die Autorin ihre Stimme erhoben, wenn statt Verständigung und Toleranz Terroranschläge oder Kriege interkulturelle Beziehungen beherrschen oder Flüchtlingspolitik sich nicht als humanitäre Hilfe, sondern als Abschottung herausstellt.
Barbara Frischmuth wurde am 5. Juli 1941 in Altaussee geboren. Nach dem Tod ihres Vaters, der im Zweiten Weltkrieg in Russland fiel, wuchs sie bei ihrer Mutter auf, die in Altaussee bis Mitte der 1950er-Jahre das „Parkhotel“ führte. Die Lektüre von „Tausendundeine Nacht“ weckte ihr Interesse am Orient, am Fremden und dem Anderen, das sie nach Absolvierung des Gymnasiums – bei den Kreuzschwestern in Gmunden, in Bad Aussee und zuletzt in Graz, wo sie im Juli 1959 auch maturierte – nicht, wie eigentlich vorgesehen, an die Hotelfachschule gehen, sondern am Dolmetsch-Institut in Graz Türkisch und Ungarisch und später Orientalistik in Wien studieren ließ. Die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen spiegelt sich in ihren Übersetzerarbeiten und in ihrem eigenen umfangreichen Werk ebenso wieder wie in ihren internationalen Kontakten.
Ein Stipendium führte sie 1960/61 erstmals in die Türkei – an die ostanatolische Universität in Erzurum. Nach ihrer Rückkehr las sie im Grazer „Forum Stadtpark“ erstmals aus eigenen Werken. Noch bevor sie diese jedoch veröffentlichte, war sie als Übersetzerin tätig: 1967 erschien ihre Übersetzung des KZ-Tagebuchs der Siebenbürgerin und Jüdin Anna Novac. Ihren Romanerstling legte sie 1968 mit „Die Klosterschule“ vor, in dem Frischmuth die autoritären Strukturen eines Mädchengymnasiums beschrieb.
APA/BARBARA GINDL / BARBARA GINDLBucherfolge
Nach ihrem hochgelobten Debüt und dem Roman „Das Verschwinden des Schattens in der Sonne“ (1973) erzielte die Autorin vor allem mit der „Sternwieser-Trilogie“ (1976-1979, darunter „Die Mystifikationen der Sophie Silber“), in der sie sich intensiv mit der Verflechtung von mythologischen Traditionen und heutigen weiblichen Lebenswelten beschäftigte, und der „Demeter-Trilogie“ (1986-1990) Erfolge, in der sie trotz Beibehaltung ihres Verfahrens der vielfältigen Bezüge zu alten Mythen höchst aktuelle Themen aufgriff. Der auf die Erzählung „Herrin der Tiere“ (1986) folgende Roman “Über die Verhältnisse“ (1987) konnte – mit einem Bundeskanzler als zentraler literarischer Figur – als Schlüsselroman gelesen werden, “Einander Kind“ (1990) mit seinen darin enthaltenen Kriegs- und Nazi-Biografien als Aufarbeitung der Waldheim-Affäre. Herrschaftskritik ist einer der zentralen Aspekte von Frischmuths Schaffen.
Neben Erzählungen, Essays, Hör- und Fernsehspielen erschienen u.a. die Romane “Die Entschlüsselung“ (2001), “Der Sommer, in dem Anna verschwunden war„ (2004), der Reiseroman “Vergiss Ägypten“ (2008) und 2012 schließlich “Woher wir kommen“. In ihren literarischen Gartentagebüchern wie “Fingerkraut und Feenhandschuh“ (1999), “Löwenmaul und Irisschwert“ (2003) und “Marder, Rose, Fink und Laus“ (2007) hat sie ihre schriftstellerische mit der gärtnerischen Passion vereint.
Frischmuth erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 1972, den Anton-Wildgans-Preis 1973 und den Franz-Nabl-Literaturpreis 1999. 2005 wurde sie mit dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln gewürdigt, 2011 folgte das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark, 2019 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und der Ehrenring des …read more
Source:: Kurier.at – Kultur