Staatsoper: Nur die Musik rettet die Poesie bei „Rusalka“ und „Manon“

Kultur
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Von Helmut Christian Mayer

Angeblich ist „Rusalka“ von Antonín Dvořák ein Märchen. Nun, davon ist in der Inszenierung von Sven Eric Bechtolf aus 2014 nichts zu sehen. Aber auch wenn man das Stück nicht als Märchen begreift, was ja auch durchaus legitim sein kann, warum müssen dann die Bühnenbilder mit dem einstöckigen, auf die Bühne gewuchteten Abbruchhaus so hässlich und die Regie so poesielos sein?

So findet man die Poesie hauptsächlich im Musikalischen: Mit ganzem Herzen muss der Komponist an seiner Hauptfigur gehangen haben, denn die Melodien, die er ihr in den Mund legt, sind von ergreifender Schönheit. Tiefste und innigste Gefühle hat er in zauberhafte Musik verpackt.

Ideale Umsetzung

Und diese findet jetzt bei der Wiederaufnahme an der Wiener Staatsoper bei ihrem Rollendebüt in Nicole Car eine beinahe ideale Umsetzung: Sie singt die unglückliche, naive Wassernixe mit ihrem teils schon recht dramatisch klingenden Sopran mit lyrischer Makellosigkeit und vermag farbenreich zu berühren. Kein Geringerer als Piotr Beczala ist für ihren geliebten Prinz aufgeboten. Er singt ihn anrührend mit seinem edlen und geschmeidigen, höhensicheren Tenor.

Bühnenpräsent, feinfühlig hört man den Wassermann des jungen Alexander Vinogradov. Monika Bohinec ist eine dämonische, ausdrucksstarke Hexe Jezibaba. Füllig, teils zu stimmgewaltig erlebt man Eliška Weissová als fremde Fürstin. Auch die kleineren Rollen und der Chor lassen keine Wünsche offen.

Die Interpretation des Orchesters der Wiener Staatsoper unter dem Hausdebüt des Prager Dirigenten Robert Jindra atmet den Geist des Komponisten nur selten zu laut mit allen wunderbar aufgefächerten subtilen und verzaubernden Feinheiten und Pastelltönen.

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Staatsoper/Michael PöhnGroßes Gefühlstheater

„Je suis seul…“ – Es ist wohl die bekannteste Arie des Chevaliers des Grieux, mit der er allein gelassen im Kloster seine Einsamkeit besingt: Benjamin Bernheim singt nicht nur sie, sondern seinen gesamten Part bei seinem Rollendebüt bei der Wiederaufnahme von Jules Massenets „Manon“ an der Wiener Staatsoper mit butterweichem, stilsicherem Tenor. Als Titelheldin gefällt wie schon 2024 Kristina Mkhytaryan: Zart und berührend, flexibel und klar sowie mit tadellosen Spitzentönen. Bei ihrer Sterbeszene kommt von beiden Protagonisten großes Gefühlstheater auf.

Da können die übrigen Mitstreiter nicht ganz mithalten: Stefan Asthakov ist ein zu leichtgewichtiger Lescaut. Matheus França singt den Grafen des Grieux im Einheitsforte. Andrea Giovannini (Guillot de Morfontaine) und Leonardo Neiva (Brétigny) singen solide. Leichtstimmig hört man Hyejin Han (Poussette), Florentina Serles (Javotte) und Teresa Sales Rebordão (Rosette). Der Chor, teils in den Orchestergraben verbannt, klingt sehr homogen.

Durchaus emotions- und nuancenreich sowie reich an französischem Parfüm wird im Orchester der Wiener Staatsoper unter dem sehr routinierten Bertrand De Billy musiziert.

Immer noch nicht besser wirkt die Inszenierung von Andrei Serban aus 2007, der die Geschichte im Paris der Zwischenkriegszeit als dunkles Gangsterepos teils im Rotlichtmilieu mit unsinnig herumstehenden Pappfiguren ansiedelt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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