
„Eine Richtungsentscheidung – fürs Publikum und für das Unternehmen“, sieht Heinz Lederer in der Neubestellung der ORF-Geschäftsführung im Sommer 2026. „Wir wollen die besten Köpfe für den ORF und damit fürs österreichische Publikum“, erklärt der Vorsitzende des Stiftungsrats.
Der 62-Jährige hat die Suche nach dem nächsten ORF-Chef am Küniglberg zu verantworten und legt abseits gesetzlicher Vorgaben die Spielregeln fest – und die werden sich ändern. „Die Ausschreibungen werden sicher keine Fortschreibung“ dessen, was bisher üblich war, sagt Lederer. Er will „sehr klare Anforderungsprofile“ und führt bereits „sehr ruhig und sehr unaufgeregt mit vielen, die sich interessieren, Gespräche.“
Lederer rechnet mit regem Interesse: „Der ORF ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber, der im europäischen Vergleich sehr gut dasteht.“
Das könnte sich aber etwas abkühlen. Denn für den Stiftungsratschef ist u. a. ein „zentraler Punkt: Ich möchte eine Cooling-off-Phase für jene Kandidatinnen und Kandidaten, die direkt aus anderen Medien-Unternehmen in die ORF-Führung wechseln wollen.“ Details würden noch geprüft. Auch das Thema Mitarbeiterführung sei ihm, nicht nur am Küniglberg, wichtig.
Keine Überraschungscoups von Stiftungsräten bei den Bewerbungen
Von der nächsten ORF-Führung – „das kann auch die alte sein, das wird sich weisen“ – fordert der SPÖ-Freundeskreisleiter einen „starken programmlichen Willen. Denn das ist, was das Publikum interessiert: Programm, Programm, Programm.“ Das sei auch im Wettbewerb etwa mit Tech-Giganten wegweisend.
Lederer erwartet, dass ORF-Chef-Kandidaten ihre wichtigsten Team-Player frühzeitig offenlegen. Der ORF brauche eine Führung, die „Plug and Play, sofort liefern kann“ und Multimedialität und Digitalaffinität widerspiegle.
Kritisch sieht er mögliche Bewerbungen von Stiftungsräten: „Überraschungscoups“ hätten für ihn einen „gewissen Hautgout“; er erwarte hier „frühzeitige Klarheit“.
Keine Preisgabe des Landes an Digital-Oligarchen
Just im „Wahljahr“ will die Politik den öffentlich-rechtlichen Auftrag und damit die Geschäftsgrundlage des ORF diskutieren. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) plant für den Spätsommer einen Konvent, die Neos eine Bürgerbeteiligung.
kurier/Tobias Steinmaurer
Lederer will, dass nach „substanziellen Änderungen im Gesetz“ der ORF mit privaten Qualitätsmedien intensiver koopieren kann
Den Startschuss geben wird aber ein weiterer „Future Day“ des Stiftungsrats. Lederer will „den öffentlich-rechtlichen Auftrag resilienter machen, damit der ORF auf zukünftige Herausforderungen reagieren kann.“ Eine Beschneidung von dessen Möglichkeiten lehnt er strikt ab: „Das käme in Zeiten von Deepfake und Digital-Oligarchen einer Preisgabe des Landes gleich.“
Erreichen will Lederer hingegen „substanzielle Änderungen im ORF-Gesetz“, die ein „Zusammenspiel mit weiteren österreichischen Marktteilnehmern erlauben.“ Neben Kooperationen im Werbebereich schwebt ihm programmlich eine „wirklich österreichische Plattform fürs Publikum“ vor – gemeinsam „mit ServusTV und weiteren heimischen Qualitätsmedien.“ Das wäre dann wohl der ORF-Abschied von der ProSieben-Plattform Joyn.
Der aktuellen Geschäftsführung unter Roland Weißmann attestiert Lederer „vieles auf der Habenseite“, etwa die Absicherung der Finanzierung und den Ethikkodex für Mitarbeiter. Doch er merkt lakonisch an: „Das Bessere ist bekanntlich der Tod des Guten.“ Dem Stiftungsrat wiederum sei es „gelungen, das Mindsetting im ORF erheblich zu verändern.“ Darauf, dass die Zeit bis zur Wahl „kein Interregnum“ wird, will er achten: „Es braucht weiter Vollgas.“
Lügner und Diktator
Die jüngste Stiftungsratssitzung war von Verbalattacken von FPÖ-Vertreter Peter Westenthaler geprägt, Worte wie „Lügner“ und „Diktator“ fielen. Das sei „respektlos“, sagt Lederer. Ein Gespräch mit ihm dazu werde er noch führen. Trotzdem könne man nicht in Bausch und …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



