„Suburbia“ im Architekturzentrum Wien: So sehen (Alb-)Träume aus

Kultur

„Suburbia“ im Architekturzentrum Wien widmet sich der Geschichte eines Wohnmodells, deren Schattenseiten und zeigt mögliche Alternativen auf.

Man kann es Vorstadt, suburbanen Raum oder Speckgürtel nennen. Egal. Es bleibt meistens vor allem eins: Der Inbegriff der bevölkerten Einöde. Das, was unter „American Dream“ bekannt ist, lässt sich auch mit nur einem Bild beschreiben: Darauf sieht man ein Haus mit Garten, vielleicht einen Pool und ganz sicher einer Garage für mindestens zwei Autos. Und bei den Nachbarn sieht es ganz genau so aus. 

Dieses „Lebensideal“ hat ausgehend von US-Vorstädten die Welt erobert. Mit der Konsequenz, dass in Österreich rund 1,5 Millionen Einfamilienhäuser herumstehen. Einige sind seit vielen Jahren unbewohnt, weil Scheidung, Erbschaftsstreitigkeiten, kein Geld für nötige Investitionen. Aber der Traum vom Eigenheim im Speckgürtel ist längst nicht ausgeträumt. Das zeigt die Ausstellung „Suburbia“ im Architekturzentrum Wien (AzW), die diese Entwicklung dieses Wohnmodells nachzeichnet.

Weronika Gęsicka/Galerie Jednostka/ Weronika Gesicka/Galerie Jednostka

Der amerikanische Traum in den 1950er-Jahren.

Boom

Diese Wirtschafts- und Kulturgeschichte hat ihren Ursprung in den gehobenen amerikanischen Wohnvierteln des frühen 19. Jahrhunderts. Die Großstadt galt als Wurzel aller gesellschaftszerstörenden Übel: Überbevölkerung, Epidemien, Brände, Kriminalität, politische Unruhen. Die Stadt war dreckig, stickig, arm. Und so zog es viele ins Umland, wo auf der grünen Wiese neue Siedlungen entstanden – gefördert von der US-Regierung, die den Immobilienbesitz, förderten. Dies trug zur Immobilienblase der 1920er-Jahre bei, der letztlich zur Weltwirtschaftskrise führte.

Mit dem Babyboom der 1950er- und 60er-Jahre erhöhte sich die Bevölkerungszahl in den USA innerhalb von zehn Jahren um weitere 29 Millionen. Und diese Kinder sollten nicht in städtischen Mietwohnungen aufwachsen, sondern in leistbaren Häusern in der Vorstadt. Daher wurde im großen Stil gebaut. Viele dieser Häuser waren beim Verkauf mit allen möglichen Elektrogeräten ausgestattet, um der Frau das Leben zwischen Kinderbetreuung und Haushaltsarbeit zu erleichtern. Medien berichteten über dieses Phänomen, Film und Literatur spiegelten das stereotype Szenario wider, in dem Frauen überglücklich auf ihre Ehemänner warten, Kinder im Vorgarten spielen und alle sonntags fröhliche Barbecues veranstalten. Das hatte auch Auswirkungen auf das Fernsehen: Dort agierten in Sitcoms jahrelang solche „Vorzeigefamilien“.

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Das, was für die einen der perfekte Ort zum Leben ist, ist für andere ein Albtraum, ein Ort, an dem man sich auch künstlerisch hervorragend abarbeiten kann.

GABRIELE GALIMBERTI

Ein Haus am Stadtrand (Tampa, Florida), dessen Besitzerin bis an die Zähne bewaffnet ist.

Land der Häuslbauer

Gezeigt werden in der Ausstellung unter anderem Bilder von Bill Owens, der das Leben in kalifornischen Fertighaussiedlungen der 1970er-Jahre dokumentierte. Aufgezeigt werden die ökologischen und sozialen Schattenseiten – und die zunehmende Kriminalität in den Suburbs: Die Vorstellung von einem sicheren Ort wurde allmählich von Angst und Schrecken überschattet. Die Folge waren Gated Communitys oder Hausbesitzer, die sich ein Waffenarsenal zulegten, wie die Bilder von Gabriele Galimberti zeigen.

Der (Alb-)Traum von „Suburbia“ ist längst in Österreich angekommen. Aber bei uns habe sich dieses großmaßstäbliche, einheitliche Bauen (noch) nicht durchgesetzt. „Denn Österreich ist ein Land der Häuslbauer“, sagt Katharina Ritter, eine der Kuratorinnen der Schau. Soll heißen: Es wird hierzulande noch individuell gebaut. Das Haus von der Stange mit Fertigbetonwänden ist die Ausnahme. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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