
Theater an der Wien. Heute kommt „Die Verlobung im Kloster“ zur Premiere
„Es wird viel Fisch geben!“ Das ist für Regisseur Damiano Michieletto klar.
Ein bisschen weniger klar ist vielleicht die Story von „Verlobung im Kloster“, jener Prokofjew-Oper über die Liebeswirren rund um einen reichen Fischhändler, die am heutigen Mittwoch im Theater an der Wien zur Premiere kommt. Ausgerechnet in einem Kloster gibt es da eine Dreifachhochzeit, wer in wen verliebt ist, das überpurzelt sich in dem Verwechslungsspiel mehrfach. Alkoholisierte Mönche tanzen.
Dass die Story speziell im zweiten Teil so verwinkelt wird, sei „vielleicht die einzige Einschränkung dieser Oper“, sagt Michieletto im KURIER-Gespräch. „Aber wir werden das klar erzählen, damit das Publikum die Story versteht – und das alles genießen kann.“
Stefano GuindaniPure Komödie
Am Pult steht Dmitry Matvienko, der sein Debüt im Theater an der Wien gibt, es singen u. a. Stacey Alleaume (Luisa), Vladimir Dmitruk (Don Antonio), Elena Maximova (Duenna) und Valery Gilmanov (Mendoza).
Es ist eine Unterhaltungsoper, die in extrem düsteren Zeiten entstanden ist: Prokofjew schrieb sie 1940. Die Leichtherzigkeit des Werkes ist angesichts dieser Umstände dann doch erstaunlich, oder? „Das Werk kann sich auch von der Zeit und den Umständen befreien“, sagt Michieletto. Gerade in einer schwierigen politischen Situation wolle man „dem Publikum vielleicht etwas Leichtes anbieten, etwas, das ganz anders ist als das Leben, oder?“
Der Regisseur denkt nicht, dass der Komponist hier gesellschaftliche Anliegen mitverhandelt hat. „Das ist pure Unterhaltung, pure Komödie.“
Das Werk basiert auf einer britischen Komödie des 18. Jahrhunderts. Übersetzt sich der Humor? Ja, sagt Michieletto, der Humor sei zeitlos: „Die Wurzel dieses Humors haben Sie schon bei Shakespeare, die Verwechslung, den Wechsel von Identitäten“, schildert er. „Tatsächlich gibt es Momente in dieser Geschichte, in denen sie dem ,Sommernachtstraum‘ ähnelt: Man hat zwei junge Liebespaare, die fliehen, sich vermischen und ihre Identität ändern.“
Ebenso findet der Regisseur in dem Werk, das bis 9. April im Theater an der Wien zu sehen ist, „die Wurzel der Commedia dell’Arte, denn man hat diese sehr stereotypen Charaktere und auch choreografische Sequenzen. Man muss eine Sprache finden, die das Dunkle wegnimmt und das alles auf eine leichte Art vorzeigt, was natürlich auch das ist, was wir dem Publikum zu bieten versuchen.“
Für die Stimmen
Die Musik war für ihn „eine große Überraschung“, sagt der Regisseur, der die Oper vor der Arbeit daran für das Theater an der Wien nicht kannte, „die Art, wie Prokofjew für Stimmen schreiben konnte. Im 20. Jahrhundert hatten viele Komponisten ein großes Talent für die Orchestrierung, aber nicht für die Stimmen, für das Theatrale, das Menschliche. Prokofjew konnte das – und war zugleich innovativ.“
Source:: Kurier.at – Kultur