Wie der Hausfotograf der Horten Collection das Haus sieht

Kultur
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Seit November 2025 ist Agnes Husslein-Arco nicht mehr Direktorin der Horten Collection. Die Institution, die sie ihrer Nachfolgerin Verena Kaspar-Eisert hinterließ, ist vielleicht der niedrigschwelligste Ort, an dem in Wien hochrangige, teure Kunst gezeigt wird: Man betritt das Foyer und steht gleich zwischen Werken von Kirchner, Chagall oder Warhol.

Das Museum ist bunt – vom zuletzt mit klimafreundlichem Belag eingefärbten Vorplatz bis zur Website – und ein bisschen drunter und drüber: Meist wuseln Schulklassen durch die offenen Räume und die frei stehenden Treppen auf und ab.

Kurz: Fast alles ist so, wie es in den Fotografien von Ouriel Morgensztern nicht ist.

Ouriel Morgensztern

Die großformatigen Schwarz-Weiß-Bilder, die als letzte von Husslein orchestrierte „Intervention“ noch bis 12. April im Parterre des Museums gezeigt werden, geben dem zum Privatmuseum umgebauten ehemaligen Garagengebäude die Anmutung eines modernistischen Monuments: Nirgendwo sind Menschen zu sehen, dafür nehmen die Treppen, Stiegengeländer und gläsernen Dachflächen eine stille, schwere Monumentalität an. Die Kontraste sind hart, die Schatten scharf gezogen – und wirkt fast, als hätte jemand in den Bildern den Ton abgedreht.

Spiel und Ernst

Morgensztern, der seit der Eröffnung des Museums 2022 oft als „Hausfotograf“ der Horten Collection agierte und in dessen Auftrag eher konventionelle Ausstellungsansichten, aber auch Dokumentationen von Vernissagen und anderen Events anfertigte, wagt sich hier ans andere Ende seines stilistischen Spektrums. Bei aller Ernsthaftigkeit, die die Bilder verströmen, meint man auch ein spielerisches Element zu erkennen. 

Der in Paris geborene Fotograf, der nach Stationen in Südfrankreich und Israel seit 20 Jahren in Wien lebt, hat jedenfalls einen Reichtum an fotohistorischen Referenzpunkten parat und weiß, wie Bauhaus-Künstler wie Laszlo Moholy-Nagy mit radikalen Untersichten und gekippten Blickwinkeln agierten, um mithilfe der Fotografie neuartige Räume, neue Bauten, neue Monumente zu schaffen.

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Ouriel Morgensztern

Auch Morgenszterns Perspektiven auf die Horten Collection betonen gern das Abstrakte, Monumentale. So wirken die von unten gesehenen, aber um 90 Grad gekippten Aufnahmen von Plateaus im Museum wie zweckfreie minimalistische Skulpturen , die Handläufe und Relings fast wie eine abstrakte Konstruktion eines El Lissitzky.

Doch dann sorgen wieder witzige Details dafür, dass man Morgensztern den modernen Puristen nicht ohne Augenzwinkern abnimmt: Die Pranke einer Tierskulptur aus der Sammlung oder der Bildausschnitt, der den Schriftzug „Horten“ kurzerhand zum „ORT“ verkürzt, lässt Morgenstzern gar als leicht subversiven, jedenfalls aber mit Schalk ausgestatteten Beobachter erscheinen. In jedem Fall halten die Bilder im Museum kurz die Uhren an – und lassen fragen, ob das Haus in seiner nächsten Entwicklungsphase wohl eher das Strenge oder das Quietschige forciert.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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