Wie Künstlerinnen und Künstler im Klimawandel Würde bewahren wollen

Kultur

Die Gruppenausstellung „Imagine Climate Dignity“ im Künstlerhaus versammelt bis 9. 6. Beiträge eines internationalen Projekts

Wenn alle Menschen das Recht haben, in Würde zu leben, muss auch der Natur ihre Würde zugestanden werden: Angesichts der massiven Umwälzungen infolge des Klimawandels ist das eine ohne das andere nicht zu haben. So ist grob die Idee der „Klimawürde“ oder „Climate Dignity“ umrissen.

Der für nachhaltige Denkanstöße bekannte Christoph Thun-Hohenstein, bis vor kurzem Chef der Auslandskultur-Abteilung im österreichischen Außenministerium, entwickelte den Begriff und machte ihn zum Kristallisationskern eines Projekts, für das Kunstschaffende ihre Beiträge einreichen konnten – erstmals waren dabei Kooperationen von mehreren Kreativen gefragt. Die von einer Jury gekürten Arbeiten waren auf bestimmte österreichische Kulturforen in aller Welt maßgeschneidert – und sind nun in einer Gruppenschau im Wiener Künstlerhaus zusammengefasst.

Die Beiträge schlagen teils abstrakt-poetische Töne an, etwa im Fall des Videos „Interbeing“, das der Künstler Kay Walkowiak mit einem Team für Tokio drehte: Es vermittelt das Zusammenwirken von Mensch und Natur mit Rückgriff auf Motive des Zen-Buddhismus. Einen forschenden Ansatz zeigt das Projekt „Go to the Source“ der Künstler Leo Höschele und Leo Trotsenko, die dem Fluss Bilina in Tschechien bis an seinen Ursprung folgten und dabei natürliche Prozesse und menschliche Eingriffe unter die Lupe nahmen. Das Künstlerinnen-Trio Selbi Jumayeva, Alisa Verbina und Olha Vinichenko beschäftigte sich fürs Kulturforum London mit der Erfassung von Zugvogel-Routen – und stellte diese menschlichen Migrationsbewegungen gegenüber.

Selbi Jumayeva, Alisa Verbina, Olha VinichenkoAktivismus, subtil

Für deutlicher aktivistisch motivierte Arbeiten ist der Künstler Oliver Ressler bekannt. Mit seinem Beitrag für das Kulturforum in Peking schuf er gemeinsam mit Claudia Schioppa eine Reihe von Druckgrafiken, die Handlungsanweisungen zum Inhalt haben: Vordergründig simpel („Sammeln Sie Altmetall“, „Bewegung an der frischen Luft tut gut“), vermitteln die Bilder einerseits die Notwendigkeit individuellen Handelns, fungieren auf einer zweiten Ebene aber auch als Aufrufe zum kollektiven Protest und Ungehorsam.

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Claudia Schioppal/Oliver Ressler

Kritik an den COP-Klimakonferenzen verpackten Andreas Duscha und Radenko Milak in ihren Beitrag für das Kulturforum in Brüssel – mit Bildern und Objekten, die den Blumenschmuck der Meetings in den Fokus nehmen. Den Wasserverbrauch der Modeindustrie thematisierten Ada Kobusiewicz, Javier Viana und Alberto Lomas mit einer Installation farbiger Würfel in Madrid.

Dass jede Aktion für einen ortsspezifischen Kontext geschaffen wurde, droht in der Verdichtung der Ausstellung etwas unterzugehen. Es lohnt aber, die durchdachten Beiträge im Detail zu studieren. Online steht dazu die Website imagineclimatedignity.at zur Verfügung. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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