
Danielle Spera ist auch nach Ende ihrer Museumskarriere überaus aktiv.
KURIER: Welche Gedanken gingen Ihnen beim Rücktritt des ORF-Genrealdirektors durch den Kopf?
Danielle Spera: Ein wirklich unglücklicher Zeitpunkt – gerade jetzt vor dem Eurovision Song Contest. Außerdem ist es vermutlich kein Zufall, dass das so knapp vor der Wahl eines neuen Generaldirektors passiert. An Intrigen im ORF war ich lange Jahre gewöhnt.
Haben Sie dort Sexismus erlebt?
Als ich begonnen habe, gab es noch nicht viele Frauen im ORF – das hat sich zu meiner großen Freude stark geändert. Ich bin Ursula Stenzel und Antonia Rados bis heute dankbar, dass sie mich damals an der Hand genommen und mir einiges beigebracht haben.
Gab es Übergriffigkeiten?
Altherrenwitze waren schon an der Tagesordnung. Wir haben aber immer versucht, das umzukehren und die Männer peinlich dastehen zu lassen. Es ist wichtig, sich als Frau zur Wehr zu setzen und zu sagen: „Bis hierher und nicht weiter.“
Es wird debattiert, dass Frauen im ORF mit 50 plus tendenziell vom Bildschirm verschwinden.
Das ist unmöglich! Schließlich erscheinen manche Herren sogar noch in sehr hohem Alter am Bildschirm. In der Filmindustrie gibt es mittlerweile fantastische Schauspielerinnen, die noch mit 80 plus tolle Filme drehen, etwa Jane Fonda.
Sie sind selbst unglaublich aktiv.
Nobelpreisträger Eric Kandel sagt, dass lebenslanges Arbeiten geistig frisch hält. Wenn wir schon alle Longevity zelebrieren, sollten wir auch daran denken, dass man noch 30 bis 35 Jahre vor sich hat, wenn man mit 60 oder schon früher in Pension geht. Natürlich gibt es Menschen, die viel Kraft haben, und andere, die sich aufs Ausruhen freuen. Ich gehöre sicher zu Ersteren.
Wurden Sie eigentlich je gefragt, in die Politik zu gehen?
Ja. Aber für mich war die Äquidistanz zur Politik immer wichtig. Das möchte ich beibehalten.
Sie sind Expertin für jüdische Kultur, haben kürzlich eine ORF-Doku über das jüdische Wien gemacht. Ist es Ihnen wichtig, auch vom jüdischen Alltag zu berichten?
Ich finde es total zu kurz gegriffen, sich nur auf die dunklen Jahre 1938 bis 1945 zu konzentrieren. Ohne den jüdischen Beitrag in der Geschichte gäbe es in unserem Land so vieles nicht! Und das Judentum ist eine freudige Religion. Wir haben dieses Leben geschenkt bekommen und sollen jeden Tag das Beste daraus machen.
Wie kamen Sie zum Judentum?
Für mich war immer klar, dass mein Weg ein jüdischer ist. Mein Vater war Jude, und wir haben leider selbst Opfer im Holocaust zu beklagen. Ich bin froh über die Namensmauer bei der Nationalbank in Wien, weil ich davor keinen Ort besuchen konnte, wo meine Vorfahren mit ihrem Namen gewürdigt werden.
Hat es Ihre Karriere überschattet, als Ihr Mann – im Team von Sebastian Kurz – ins Parlament kam?
Ich war Angestellte der Stadt Wien, die ja bekanntlich sozialdemokratisch regiert ist. Als mein Mann 2017 zur ÖVP gegangen ist, war das natürlich nicht zur Freude meiner Arbeitgeber.
Spüren Sie zunehmenden Antisemitismus in Europa – und auch in Österreich?
Wir spüren global eine negative Einstellung. Bedauerlicherweise haben die Medien da eine Schlagseite bekommen. Auch das beflügelt den Antisemitismus.
Sie kritisieren, dass der monströse Anschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023 öffentlich zu wenig als Zäsur gesehen …read more
Source:: Kurier.at – Politik



