Der Siegeszug der Latino-Trumpisten

Politik
Bolivia's President Rodrigo Paz holds a press conference, in La Paz

Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro

Das quälende Warten ging unmittelbar vor Weihnachten zu Ende: In Honduras erklärte die Wahlbehörde den rechtskonservativen Nasry Asfura (40,26 Prozent) mit hauchdünnem Vorsprung vor Salvador Nasralla (39,54 Prozent) zum Gewinner der Präsidentschaftswahlen.

Damit hat der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump die Wahlen gewonnen. Ob er ein starker Präsident wird, bleibt angesichts der vielen Fragezeichen rund um den wochenlangen Auszählungsprozess abzuwarten.

In Mittelamerika haben die Trump-USA damit einen neuen wichtigen strategischen Verbündeten. Die abgewählte linke Vorgängerregierung, deren Spitzenkandidatin Rixi Moncada gerade einmal auf 19 Prozent gekommen war, galt als enge Verbündete der Linksdiktaturen in Venezuela, Kuba sowie Nicaragua.

Auf US-Linie

Zudem warf sie die Diplomaten aus Taiwan aus dem Land, um sich fortan mit China zu verbünden. Asfura wird sich dagegen der außenpolitischen Linie der USA anschließen.

Überhaupt hat sich das Wahljahr 2025 für die US-Republikaner südlich des Rio Bravo zu einem kleinen Triumphzug entwickelt. In Bolivien verschwand die fast 20 Jahre lang regierende linksfundamentalistische Partei MAS in Richtung Bedeutungslosigkeit.

REUTERS/Claudia Morales

Gewann die Präsidentenwahl in Bolivien: Rodrigo Paz

Der Leitspruch war stets: „Yankees go home“. Nun reiste der neue christdemokratische Präsident Rodrigo Paz sofort in die USA (und nicht nach Brüssel), um dort um neue Investoren für die riesigen Lithium-Vorkommen zu werben.

Der neue bolivianische Außenminister Fernando Aramayo erklärte dazu bei „Fox News“: „Die Vereinigten Staaten verfügen über viel Technologie, Erfahrung und nachhaltige Rohstoffgewinnung. Das wollen wir nutzen. Natürlich möchten wir Technologietransfers erhalten und Teil der gesamten Produktionskette sein.“

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In Chile gewann mit Jose Antonio Kast ein rechtskonservativer Kandidat die Präsidentschaftswahlen, der seine „Partido Republicano“ sowohl inhaltlich als auch optisch nach dem Stil der Trump-Republikaner ausrichtete.

APA/AFP/GALO PAGUAY

Antonio Kast gewann die Präsidentenwahl in Chile

Er hat engste Verbindungen mit dem libertären Präsidenten Argentiniens Javier Milei, der wiederum im Oktober nicht zuletzt wegen der öffentlichen Rückendeckung des US-Finanzministeriums einen strahlenden Wahlsieg bei den Parlamentswahlen einfuhr. Das „Lithium-Trio“ Kast/Milei/Paz ist ein politisches Bündnis, das sehr amerikafreundlich orientiert ist.

Zugleich sehen sie, wie schwer sich die Europäer tun, den EU-Mercosur-Freihandelsvertrag über die Bühne zu bringen. Milei ist ein großer Skeptiker der Mercosur-Verträge: Statt wie versprochen freien Märkten und Handelsverträgen, habe dieser vor allem viel Bürokratie gebracht. 

Er würde am liebsten sofort einen bilateralen Handelsvertrag – mit den USA. Den bereitet Washington gerade vor. Anders als Washington hat Brüssel aber kaum Drähte in die neuen dynamischen Machtzentren Lateinamerikas.

Apropos Mercosur: Kaum war der Abschluss kurz vor Weihnachten wieder einmal an der Uneinigkeit der Europäer gescheitert, meldete sich Peking zu Wort: China habe großes Interesse an einem Freihandelsabkommen mit dem Mercosur.

Trumps Siegeszug im von US-Vertretern gerne als „Vorhof“ bezeichneten Lateinamerika könnte 2026 weitergehen: Gewählt wird in Kolumbien und Brasilien. Und in beiden Ländern sind mit Gustavo Petro und Luiz Inacio Lula da Silva derzeit sehr Trump-kritische Präsidenten an der Macht. Ob sich auch hier rechtskonservative Kandidaten durchsetzen, wird sich weisen.

EPA/Andre Borges

Der linksgerichtete Präsident Brasiliens Lula da Silva will/muss sich heuer der Wiederwahl stellen

Auch wenn es so scheint, einen totalen Durchmarsch gibt es für die USA in Lateinamerika trotzdem nicht. In Ecuador gelang zwar mit Daniel Noboa einem engen Trump-Verbündeten die Wiederwahl, doch als die Ecuadorianer …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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