Ex-Grüne Faika El-Nagashi: „Wir können unser Geschlecht nicht ändern“

Politik
NATIONALRAT: EL-NAGASHI

Die frühere Grünen-Abgeordnete Faika El-Nagashi (49) über sechs Geschlechter im Eltern-Kind-Pass, das Binnen-I und warum Österreich bei Hormonbehandlungen ein neues Schutzalter braucht.

KURIER: Was sagen Sie dazu, dass der Eltern-Kind-Pass sechs Möglichkeiten des Geschlechts vorsieht?

Faika El-Nagashi: Die sechs Möglichkeiten sind nicht zur freien Wahl. Sie sind die gut gemeinte Fortführung von etwas, das zu einem Durcheinander und dem falschen Gefühl führt, dass etwas frei wählbar wäre. Aber das ist nicht so. Rein rechtlich geht es darum, dass Personen, die mit einer großen Uneindeutigkeit geboren worden sind, einen anderen Eintrag wählen können. Aber das bezieht sich auf einen verschwindend geringen Prozentsatz an Neugeborenen. Und es ist nichts, was Eltern, Hebamme oder Arzt frei bestimmen können. Dazu ist ein Gutachten nötig.

Sie waren früher Nationalratsabgeordnete. Ist es klug, dass der Gesetzgeber so viele Varianten vorsieht, wenn wir von einer Handvoll Betroffenen reden? Überfordert das nicht die Eltern?

Ich glaube nicht, dass Eltern überfordert sind, weil für die meisten klar ist, welches Geschlecht ihr Kind hat. Ich glaube, sie sind eher vor den Kopf gestoßen, warum hier andere Kategorien vorgesehen sind. Das hört ja nicht beim Mutter-Kind-Pass auf, es ist in allen Bereichen Thema: Bei der Geburtsurkunde, beim Meldezettel, auch in den Schulen. Es war keine gute politische Entscheidung, das derart offenzulassen.

APA/EVA MANHART

Wenn ein erwachsener Mensch zwischen 72 Geschlechtsdefinitionen – von trans über binär bis hin zu fluid – wählen kann, ist das nicht einfach nur Ausdruck einer freien Gesellschaft?

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Nein. Es ist das Zeichen einer völlig entgrenzten Gesellschaft und Politik, die die Vorstellung hat, es wäre möglich, das Geschlecht zu ändern, bzw. es wäre ein Menschenrecht, das Geschlecht frei zu wählen. Es gibt keine bestimmte Art, wie man sich als Mann oder als Frau fühlt. Die Körperlichkeit bestimmt, ob wir Männer oder Frauen sind, das kann nicht überwunden werden. Natürlich können wir der Illusion anhängen, eine freie Wahl darüber ins Recht zu schreiben. Das hat aber reale Konsequenzen.

Bei Ihnen war eine Konsequenz, dass Sie den Grünen nicht mehr angehören. Trifft es zu, dass da vieles sehr apodiktisch diskutiert wird?

Die zentrale Frage ist: Was sollen wir als Gesellschaft tun? Aufgabe des Staates ist nicht, die Gesellschaft so zu gestalten, dass jede Person mit ihrem individuellen Wollen gesetzlich anerkannt wird. Das können wir nicht leisten. Wir müssen Grenzen setzen, und diese sind in vielen Bereichen durch die biologische Realität gegeben. Die Körperlichkeit, Mann oder Frau zu sein, ist eine fundamentale Tatsache, und als Gesellschaft versuchen wir darauf Rücksicht zu nehmen – etwa dort, wo eine hohe Vulnerabilität existiert. Deshalb gibt es Räume, in denen Frauen geschützt sind oder ihre Privatsphäre gewahrt wissen. Denken Sie an ein Krankenhaus, wo wir nach Geschlecht getrennte Räume haben. Das hat natürlich einen Sinn – etwa in der Vorbereitung auf eine Operation.

Kurier / Juerg Christandl

Und dennoch gibt es NGOs, die fordern, den Betroffenen empathisch zu begegnen.

Ich versuche, sehr empathisch mit Menschen zu sein, die sich schwertun akzeptieren, wer sie biologisch sind. Dafür soll es viel Hilfe geben. Therapeutische Unterstützung und auch soziale Räume. Aber das ist heute nicht die Diskussion.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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