
Laut Integrationsfonds fällt nachgezogenen Familienmitgliedern die Integration schwerer.
Im Frühjahr 2024 waren Wiens Schulen teils überlastet. Der Grund: Viele syrische Kinder kamen über den Familiennachzug auf einmal nach Österreich. Die türkis-rot-pinke Bundesregierung will solche Szenarien künftig unterbinden. Dazu gehört zuerst ein vorübergehender Stopp des Nachzugs – der aktuell ohnehin kaum stattfindet. Ob und wie dieser rechtlich umsetzbar ist, arbeiten Experten derzeit für das Innenministerium (BMI) von Gerhard Karner (ÖVP) aus.
Unterstützung erhält die Regierung – insbesondere die ÖVP, der das Thema ein großes Anliegen war – vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Der Fonds hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zu folgendem Schluss kommt: Nachgezogenen Familienmitgliedern falle die Integration in Österreich schwerer als Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte, die direkt einen Asylantrag gestellt haben.
Nachzügler öfter arbeitslos
Vor allem in den ersten Jahren nach der Ankunft seien diese seltener erwerbstätig und lernten langsamer Deutsch. Das ergebe die Befragung von 12.500 Zuwanderern zwischen 2018 und 2024. Wie lässt sich das Ergebnis erklären?
Zum Beispiel mit Blick auf die Erwerbstätigkeit. Die Mehrheit der Nachgezogenen sind Frauen und Kinder. Nachgezogene Frauen gaben häufig an, nicht erwerbstätig zu sein. Sie sind mit 34 Prozent noch häufiger arbeitslos als Frauen (30 %), die direkt einen Asylantrag in Österreich gestellt haben. Zum Befragungszeitpunkt waren 41 Prozent der nachgezogenen Männer erwerbstätig, verglichen mit 57 Prozent der originären Antragsteller.
Ähnliches Bild bei Sprachkenntnissen
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Deutschkenntnissen. Nachziehende Frauen erlernen laut dem Bericht auch die deutsche Sprache langsamer als Frauen, die direkt einen Asylantrag in Österreich gestellt haben: Die Ergebnisse zeigen, dass nachgezogene Frauen seltener Deutschkurse absolvieren als Frauen, die direkt einen Asylantrag in Österreich gestellt haben. Die Deutschkenntnisse verbessern sich schrittweise mit längerer Aufenthaltsdauer: Nach fünf Jahren bewerten sowohl die Hälfte der nachgezogenen Frauen als auch der originär antragstellenden Frauen die eigenen Deutschkenntnisse als gut oder sehr gut.
Erstellt wurde der Bericht vom International Centre for Migration Policy Development (ICMPD), dem der ehemalige ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger vorsitzt – und ab 2026 Ex-ÖVP-Integrationsministerin Susanne Raab.
Regierung sieht sich bestätigt
Integrationsministerin Claudia Plakolm (ÖVP) sieht die Regierungslinie durch die Studie bestätigt. „Noch mehr zu Integrierende bedeutet ein reiner Zuzug in Parallelgesellschaften, eine soziale Integration ist nicht mehr sinnvoll möglich“, befand sie in einer schriftlichen Reaktion.
Bundeskanzler Christian Stocker meint wiederum: „Wir sehen, dass der bisherige Familiennachzug große gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringt. Mit dem Stopp des Familiennachzugs schützen wir unsere Systeme vor weiterer Überlastung.“
Source:: Kurier.at – Politik