
2000 Kilometer weit könnten iranische Mittelstreckenraketen fliegen, hatte es bisher immer geheißen. Diese Annahme hat das Mullah-Regime nun widerlegt: Am Samstag wurde die britische Militärbasis Diego Garcia Ziel der Attacken, zwei ballistische Raketen hatten Kurs auf das Eiland genommen – es liegt 3800 Kilometer von Irans Südküste entfernt, mitten im Indischen Ozean.
Für Irritationen sorgt das, weil die Mullahs damit erstmals einen britischen Stützpunkt mit ballistischen Geschossen unter Beschuss nahmen. Zwar versagte eine Rakete im Flug und die andere wurde abgefangen, aber ein derartig großer Angriff auf Territorium eines NATO-Staat abseits der USA ist neu. Auf Zypern hatten die Mullahs zur Kriegsbeginn auch eine britische Basis attackiert, jedoch nur mit Drohnen – die potenzielle Verwüstung ist nicht vergleichbar.
Ziel der Attacken dürfte die Basis Diego Garcia geworden sein, weil sie eine von zwei Stützpunkten der Briten ist, die die USA für ihre Schläge verwenden dürfen. London hatte eine Nutzung lange vermeiden wollen, um nicht in den Krieg hineingezogen zu werden; erst Ende der Woche gab Großbritannien dem Druck Trumps nach. Die Freigabe galt aber nur für „spezifische und begrenzte Operationen zur Verteidigung“, wie es aus dem Verteidigungsministerium geheißen hatte – der Iran sollte so abgehalten werden, Schiffe in der Straße von Hormus zu attackieren.
„Das war eine Botschaft“
In London reagiert man darum irritiert. Irans Angriffe seien eine „Bedrohung für britische Interessen und britische Verbündete“, hieß es gegenüber dem Guardian.
Ob die Erlaubnis für die Amerikaner nun zurückgezogen wird, wurde nicht kommentiert. Die Debatte über eine Involvierung Europas in den Krieg wird aber nicht nur in London, sondern wohl in allen Hauptstädten Europas geführt werden. Denn die neue Reichweite von Irans Raketen „verändert die Lage grundlegend“, wie der Nahost-Experte Nawaf al-Thani aus Doha auf X schreibt. Damit rücken auch europäische Großstädte in Reichweite des Regimes, der „Radius der Angst“ habe sich „dramatisch erweitert“. „Diego Garcia nicht nur ein Ziel. Es war eine Botschaft.“
Tatsächlich liegt selbst London theoretisch in einem 4000-Kilometer-Radius, Paris, Berlin und das 3200 Kilometer von Teheran entfernte Wien genauso. Das verkündeten auch die Revolutionsgarden im iranischen Staatsfunk; Wir haben die Kontrolle über den Himmel über euren Köpfen“, hieß es da.
Praktisch wäre ein Einschlag eines iranischen Geschosses in Europa aber kaum denkbar, heißt es von Militärexperten. Für einen koordinierten Angriff – die Raketen würden etwa 20 Minuten bis zum Ziel in Westeuropa brauchen – würden dem Iran derzeit Geld als auch Technik fehlen, und dank der Frühwarnsysteme der NATO und des israelischen Iron Dome könnten sie mit großer Sicherheit abgefangen werden.
Ziel der Angriffe sei auch nicht, Staaten in Europa direkt zu attackieren, schreibt der israelische Iran-Experte Raz Zimmt auf X. Teheran wolle Verbündete der USA dazu bringen, den Vereinigten Staaten keine Militärpräsenz zu bieten – genau deshalb werden auch die Nachbarstaaten am Golf auch so massiv beschossen.
Source:: Kurier.at – Politik



