
Sicherheits-Irrsinn: Die Top-Kräfte des US-Präsidenten palavern über die Bombardierung der Huthis – und lassen einen Reporter mitlesen.
Man kann das nicht erfinden. Die erste Garde der Trump-Regierung hat in einer Chat-Gruppe Kriegsspiele diskutiert, die kürzlich im Jemen tödliche Realität wurden, und dabei einen Washingtoner Top-Journalisten aus atemberaubender Nachlässigkeit heraus Mäuschen spielen lassen.
Was Jeffrey Goldberg, der Chef des von Trump gehassten linksliberalen Magazins The Atlantic da über Tage in Echtzeit mitlesen durfte, spottet nicht nur inhaltlich jeder Beschreibung und bietet Stoff für mehrere Untersuchungsausschüsse.
Dass der Medienmensch überhaupt in den Kreis der fast 20 Spitzenkräfte von Verteidigung über Auswärtiges und Geheimdienste bis zum Berater für Nationale Sicherheit und Vize-Präsident JD Vance gelangen konnte, stellt einen beispiellosen Skandal dar, der weltweit das Vertrauen in die Supermacht erschüttern muss.
Amateurstunde
In der Regierung von Donald Trump, der gegenüber Reportern in ersten Stellungnahmen ahnungslos tat, herrscht Amateurstunde. Die Inkompetenz der Leute, die über das Heiligste zu wachen haben – die Nationale Sicherheit – ist himmelschreiend.
Hegseth, Walz, Vance – die komplette Führungsriege müsste unter normalen Umständen sofort gehen oder gegangen werden.
Der Skandal sind nicht die mit Teenie-haften Emojis und halbstarken Kurz-Sätzen aufgepumpten Statements der Spitzenvertreter. Sondern der Leichtsinn und die Fahrlässigkeit, mit der hier vorgegangen wurde.
Vorbereitungen für Militärschläge gehören in abgeschirmte, abhörsichere Räume. Dass sich in Washington selbsternannte Weltenlenker in einer Chat-Gruppe von „Signal” tummelten, um mit hoch geheimen Informationen detailliert über Tod und Leben fernab der US-Hauptstadt zu palavern, ohne zu registrieren, dass ein Unbefugter mitlesen kann, ist unentschuldbar.
Source:: Kurier.at – Politik