
Die Ankündigung von Donald Trump ist eindeutig: Aus Venezuela kommt künftig kein Geld und kein Öl mehr nach Kuba. Zumindest hat sich der US-Präsident dazu entschieden. Ob die venezolanische Interimspräsidentin Delcy Rodriguez das auch umsetzt, bleibt abzuwarten. Nach der Verhaftung von Machthaber Nicolas Maduro durch die US-Spezialeinheit Delta Force soll oder muss sie nun die Vorgaben aus Washington umsetzen. Behauptet die US-zumindest Administration.
Rodriguez betont dagegen die engen historischen Bande zwischen beiden Ländern. Für Trump ist klar: Kuba müsse nun zu einem Deal mit den USA kommen, ehe es zu spät ist. Seit dem Militärschlag gegen Maduro haben solche Worte eine andere Wucht und Glaubwürdigkeit.
Auf Kuba spitzt sich die Lage zu
„Unser Vaterland, unsere Nation, erlebt die schlimmste Krise seit mehr als sechs Jahrzehnten unter dem kommunistischen Regime Castros. Die wirtschaftliche Lage ist wirklich chaotisch“, sagt Jose Daniel Ferrer im Gespräch mit dem KURIER. Der Mitbegründer der offiziell verbotenen Oppositionspartei „Unión Patriótica de Cuba“ ist der international bekannteste Dissident Kubas.
Seit Oktober ist er in den USA, zuvor war einige Jahre auf Kuba in Haft und wurde dort nach eigenen Angaben gefoltert.
Nun hofft er aus Florida wie so viele Hunderttausende Exil-Kubaner auch auf eine Chance für eine Demokratisierung. Zunächst aber beschreibt er die katastrophale Lage: „Die kubanische Wirtschaft ist bankrott und erlebt ihre schlimmsten Zeiten.
EPA/Yander Zamora
Große Armut in Havana, der Hauptstadt von Kuba
Die politische Lage könnte angesichts der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung über die extreme Armut, von der mehr als 80 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, nicht schlechter sein“, sagt Ferrer.
Es gäbe einen lauten Aufschrei der Bevölkerung wegen des Hungers, von dem immer mehr Menschen betroffen seien. Ältere Menschen, Rentner, sehr arme Familien, Familien mit sehr geringem Einkommen, Mütter großer Familien, könnten nur unter kritischen Bedingungen überleben.
Ferrer berichtet von Unterernährung, Anämie und Krankheiten, es gäbe einen Medikamenten-Mangel und der Schwierigkeiten, eine medizinische Versorgung zu erhalten. Vor allem die oft tagelangen Stromausfälle machen die Menschen mürbe. Es gibt immer wieder spontane Proteste.
Drakonische Haftstrafen
Bereits 2021 brach die Wut auf die herrschende Eliten offen aus. Auf die historischen Sozialproteste reagierte Präsident und Parteichef Miguel Diaz-Canel mit drakonischen Haftstraften für Demonstranten und Umerziehungslager für protestierende Jugendliche. Künstler und Musiker, die sich kreativ mit der Lage beschäftigten wurden zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt.
Danach packten Hunderttausende die Koffer und verließen das tief verbittert und enttäuscht Land. Für die Volkswirtschaft hatte das verheerende Folgen.
Bislang reagierte das Regime nach einer eingeübten Choreographie: Schuld an der Krise sei das jahrzehntelange US-Handelsembargo und nicht die sozialistische Planwirtschaft.
Vor einigen Wochen wurde ein Sündenbock gefunden: Wirtschaftsminister Alejandro Gil wurde hinter verschlossenen Türen wegen Korruption verurteilt. Doch die Kubaner glauben den Schuldzuweisungen nicht mehr.
Und angesichts des wachsenden Druck verändert auch Diaz-Canel seine bisherige Haltung. Der erste nach der kubanischen Revolution geborene Machthaber versucht es nun mit ungewohnter Selbstkritik. Man müsse anfangen darüber nachzudenken, dass das, was in Kuba schlecht laufe, vielleicht auch Schuld der Partei sein könnte.
Weil sich die vielen kleinen Proteste inzwischen nicht mehr unterdrücken lassen, erinnert auch vieles an die Endphase der DDR. Doch diesmal kommt der außenpolitische Druck einer Supermacht direkt vor der Haustür …read more
Source:: Kurier.at – Politik



