
KURIER: Frau Gesundheitsministerin, haben Sie eigentlich eine private Krankenversicherung?
Korinna Schumann: Nein, ich habe keine – aus Überzeugung nicht.
Die Frage ist deshalb relevant, weil Österreichs Patienten enorm unter langen Wartezeiten leiden während Privatversicherte schneller Termine bekommen. Wie geht’s Ihnen damit?
Damit geht’s mir gar nicht gut. Ich bin eine Verfechterin des öffentlichen Gesundheitssystems, das allen zur Verfügung steht – egal, wie viel sie verdienen oder wie alt sie sind. Wir haben als Gesellschaft ein Versprechen abgegeben, dass alle solidarisch gleich gut betreut werden. Das gilt es einzuhalten. Aber ich sehe auch, dass das Verhältnis zwischen öffentlichem und privatem System in Schieflage geraten ist. Das müssen wir korrigieren.
Der Kanzler hat versprochen, dass sich ab 2027 die Wartezeiten im ganzen Land spürbar verbessern. Ist das schaffbar?
Wir sind auf einem guten Weg. Wir analysieren die Versorgung gerade, parallel dazu laufen die Vorbereitungen, um mit der Hotline 1450 die Patientenströme besser zu lenken. Und auch bei der Telemedizin gibt es einen Ausbau. Obwohl die Mittel knapp sind, haben wir einen mit 500 Millionen Euro dotierten Gesundheitsreformfonds bereitgestellt, um den Ausbau der PVEs (Primäre Versorgungseinheiten bzw. Gruppenpraxen, Anm.) voranzutreiben.
Sie sagen, die Regierung analysiert die Defizite. Mit Verlaub: Gesundheitsökonomen, Ärzte und Experten sagen seit Jahren, was schief läuft…
Vieles davon liegt nur in Fragmenten vor. Wir müssen das System gesamthaft betrachten. Und ja: Dabei müssen auch geografische und regionale Grenzen überwunden werden, damit die Spitäler besser zusammenarbeiten.
Derzeit streiten Bundesländer darüber, wer welche Patienten behandelt. Das geht soweit, dass Patienten aus niederösterreichischen Spitälern retour nach Wien geschickt werden. Ist das akzeptabel?
Selbstverständlich kann das nicht unser Anspruch an das System sein. Die Problematik der Gastpatienten gibt es aber nicht nur in der Ostregion, sondern auch in anderen Teilen Österreichs. Gegenseitiges Ausrichten führt zu nichts, es schwächt nur das Vertrauen ins System und treibt die Menschen in das private Gesundheitssystem. Das ist nicht der Weg, den wir beschreiten sollten.
Apropos Privatmedizin: Ist es sinnvoll, Ärzten, die im öffentlichen System arbeiten, nebenher Privatordinationen zu ermöglichen? In Deutschland ist derlei undenkbar.
Es wird immer private Krankenversicherungen geben, da mache ich mir keine Illusionen. Unsere Aufgabe als Politik besteht darin, das öffentliche System so zu stärken, dass das Vertrauen dort wieder steigt. Im Idealfall machen wir es so gut, dass auch Wahlärzte wieder hineinwechseln.
Aber freiwillig wird ein gut verdienender Wahlarzt nicht ins öffentliche System wechseln, oder?
Genau deshalb müssen wir das öffentliche System stärken und dem anderen Einhalt gebieten. Wir feiern heuer 70 Jahre ASVG. Auch hier ist das Versprechen enthalten, dass alle im Gesundheitssystem gleich gut versorgt werden.
Zynisch könnte man einwenden: Es werden alle gleich gut versorgt. Nur bekommen privat Versicherte halt manches schneller.
Das entspricht nicht meinem Menschenbild.
Gibt es genug Ärzte in Österreich?
Grundsätzlich ja. Allerdings arbeiten nicht alle in den Bereichen, wo wir sie brauchen.
Ihr Vizekanzler und Parteichef wünscht sich, dass man maximal 14 Tage auf einen Arzt-Termin warten soll. Ist das auch Ihr Ziel?
Ich will mich nicht auf konkrete Tage festlegen. Wichtig ist, das System so aufzustellen, dass wir die Patientenströme gut lenken können.
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Source:: Kurier.at – Politik



