Straße von Hormus: „Allein die Möglichkeit eines Angriffs ist ein Risiko“

Politik

Unmittelbar nach Kriegsbeginn erklärte der Iran die Straße von Hormus für gesperrt. Seither ist die Meerenge ins Zentrum des Konflikts gerückt. Der KURIER fragte beim österreichischen Marine-Experten Jeremy Stöhs vom Austrian Center for Intelligence, Propaganda and Security Studies (ACIPSS) nach, wie so eine Blockade funktioniert – und wie sie sich lösen ließe. 

KURIER: Die Straße von Hormus ist zum zentralen Schauplatz dieses Krieges geworden, seit der Iran sie für gesperrt erklärt hat. Wie schließt man eine Meerenge in der Praxis?

Jeremy Stöhs: Der wesentliche Faktor ist nicht, dass jedes Schiff, das durchfährt, tatsächlich beschossen wird. Es reicht schon, dass die Möglichkeit eines Angriffs besteht. Schiffe sind im Regelfall versichert – und sobald Versicherer ein Risiko sehen, erhöhen sie ihre Preise, sodass die Durchfahrt des Gebiets für Reedereien meist nicht mehr lukrativ ist.

Zudem liegt es in der Verantwortung des Kapitäns, ob er seine Besatzung einem solchen Risiko aussetzt. Trotzdem sehen wir, dass einige Schiffe das Gebiet weiterhin befahren.

Es fahren weiter Schiffe durch die gesperrte Straße von Hormus? 

Ja, einige Öl- und LNG-Tanker passieren sie weiterhin. Aber das sind nur zwischen fünf und zehn Schiffe pro Tag – vor Ausbruch des Krieges waren es mehr als einhundert. Die meisten davon sind iranische Schiffe, aber auch indische Tanker haben den Persischen Golf zuletzt verlassen, weil die Regierung einen Deal mit dem Iran ausgehandelt hat. 

Interessanterweise beobachten wir auch griechische Tanker, die offenbar ein anderes Risikokalkül als andere europäische Staaten haben. Wir können aber nur Schiffe mit aktivem Transponder beobachten. Einige Schiffe schalten ihre Transponder ab, um zumindest ein wenig an Sicherheit zu gewinnen. 

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Mit Radaranlagen oder anderen militärischen Systemen sind sie natürlich weiterhin erkennbar – aber die USA und Israel führen täglich massive Luftschläge gegen die iranische Armee und Marine durch. Die Fähigkeiten des Iran, diese Tanker mit Anti-Schiff-Flugkörpern zu gefährden, sind also sicherlich dezimiert worden.

Donald Trump will Tanker von Marineverbänden eskortieren lassen. Halten Sie das für sinnvoll? 

Solche Geleitschutz-Operationen sind unglaublich komplex. Es gibt da auch unterschiedliche Zugänge: Als etwa die Huthi-Rebellen vor ein paar Jahren vom Jemen aus Schiffe im Roten Meer angegriffen haben, haben europäische Staaten ihre Frachter eng von Marineverbänden eskortieren lassen. Die Amerikaner und Briten haben dagegen Schiffe begleitet und gleichzeitig Huthi-Stellungen auf dem Festland angegriffen. Das war erfolgreich, aber extrem ressourcenintensiv. 

Meine Einschätzung ist, dass selbst die USA mit ihren acht Zerstörern gerade nicht die Fähigkeiten vor Ort haben, solche Eskorten über eine längere Zeit durchzuführen. Geschweige denn, dann in weiterer Folge Minen zu entschärfen, sollte der Iran irgendwann Minen einsetzen. 

Genau deshalb hat Trump europäische NATO-Partner um Hilfe gebeten – stimmt es, dass sie bessere Minenräumungsfähigkeiten besitzen? 

Ja, Europäer haben hier große Expertise, weil sich in den Randmeeren Europas weiterhin viele Altlasten aus beiden Weltkriegen und dem Kalten Krieg befinden. Diese Kräfte sind aber weitestgehend in Europa gebunden – und selbst, wenn man sie in den Nahen Osten verbringen würde: Keine Minenräumungseinheit kann sich in einem hochintensiven Szenario, wie wir das gerade im Persischen Golf vorfinden, selbst verteidigen. 

Sie müssten also erst recht wieder von Marineschiffen begleitet werden, damit sie den Weg für weitere Marineschiffe freiräumen, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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