
Erst war es ein Interview in der Süddeutschen Zeitung, dann die Auftritte bei Opernball, Rainer-Ausstellung und Benefizveranstaltungen, die zu großen Berichten über den Wiener Dompfarrer Toni Faber und seine Freundin führten. Bilder und Berichte, die die Debatte über den Zölibat weit über die Erzdiözese Wien hinaus befeuerten. Und das zu einem Zeitpunkt, als mit Josef Grünwidl gerade ein neuer Erzbischof installiert wurde. Nicht zuletzt wegen der vielen Berichte über den Dompfarrer hatten sich die Beschwerden in der Diözese und auch bei den Kirchenbeitragsstellen gehäuft.
„Zölibat überschätzt“
Die Diskussionen über den Zölibat gibt es schon lange (siehe Artikel unten), für Toni Faber sind die an seiner Person entfachten Debatten „ein Sturm im Weihwasserglas“. Aber er versichert: „Ich habe nicht vor, meinen Dienst niederzulegen, ich habe nicht vor, zu heiraten, sondern mich entschieden, ehelos zu leben. Und ich habe eine Frau an meiner Seite.“
Aus seiner Sicht werde die „Lebensmächtigkeit des Zölibats überschätzt“, sagt Faber, der auf zahlreiche verheiratete Priester in der katholischen Kirche verweist. „Drei davon versehen in meiner Pfarre Beicht- und Seelsorgedienst, sie machen ihre Arbeit genauso gut wie die anderen Priester“, versichert Faber. In der Erzdiözese Wien arbeiten 13 verheiratete Priester, zwölf von ihnen gehören den katholischen Ostkirchen an. Dazu kommt ein ehemaliger evangelischer Pfarrer, der konvertiert und ebenfalls verheiratet ist.
Faber erinnert sich an die Priesterausbildung, in der er früher tätig war: „Ich habe immer gesagt: Ein Pfarrer muss liebend gegenüber Gott, dem Nächsten und sich selbst sein.“ Wenn Priester diese Eigenschaften mitbrächten, könnten sie gute Priester sein. Toni Faber ist überzeugt, mit seiner Einstellung zum Zölibat „nicht seit 30 Jahren auf dem Holzweg“ zu sein. Das zeige alleine auch die Bestellung Josef Grünwidls zum Erzbischof, dessen Meinung zum Zölibat sich im Wesentlichen mit seiner decke: „Wenn er trotzdem Erzbischof werden konnte, sind wir mehr im Heute, mehr in der Normalität.“
Und Faber vergleicht diese „sanfte Entwicklung aus dem Inneren der Kirche heraus“, die er glaubt, angestoßen zu haben, mit dem „Aggiornamento“, der Öffnung der Kirche, durch das II. Vatikanische Konzil. Und er betont: „Jene, die mir vorwerfen, ich bin ein ‚Skandalon‘, sind genau jene, die die Menschen nicht annehmen und damit das größere ‚Skandalon‘.“ Wobei Faber auch um Kalmierung bemüht ist. Er habe in seiner Angelegenheit mit dem Erzbischof geredet und ihm „Mäßigung und Zurückhaltung in Medien“ zugesagt.
Seitens der Erzdiözese räumt man ein: „Ja, es gibt viele, hauptsächlich verärgerte, Rückmeldungen zum Dompfarrer. Die Beschwerden betreffen seinen Lebensstil und die Zölibatsfrage.“ Die Diözesanleitung nehme das Thema ernst und werde in den kommenden Wochen über die weitere Vorgehensweise intern beraten: „Wir bitten um Verständnis, dass über diese internen Beratungen in der Öffentlichkeit nicht gesprochen wird, und möchten auch darauf hinweisen, dass der Erzbischof erst seit einem Monat im Amt ist.“
Andreas Kowatsch, Ordinarius für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und selbst Priester, erklärt dem KURIER: Der Zölibat sei eine kirchenrechtliche Regelung und daher auch prinzipiell veränderbar. Allerdings verweist er auf die lange Tradition der priesterlichen Ehelosigkeit, die bis ins dritte Jahrhundert zurückreiche. Auf der Synode von Elvira (Anfang 4. Jh.) wurde etwa …read more
Source:: Kurier.at – Politik



